Andreas Stachl

Ein schweizerischer Kubaner vom Zürichsee

Seine beiden Cigarrengeschäfte stehen in der Region Zürich, aber er sagt von sich: «Ich rauche und denke kubanisch». Andreas Stachl, Habanos Spezialist, verkauft nicht einfach edle Raucherwaren, sondern vermittelt Lifestyle.

Text: Roland Wernli

Der Laden liegt ein paar Schritte vom Rapperswiler Hauptplatz entfernt. Ein paar Schritte weg vom Trubel, der etwa an Markttagen oder an einem schönen Sommersonntag in der so genannten «Rosenstadt» herrscht, ist LaCorona  eine willkommene Oase der Ruhe für Cigarren-Aficionados und Liebhaber feiner Spirituosen.
Der Gastgeber ist Andreas Stachl, und auf seiner Website lädt er die Gäste ein zum «geniessen, entspannen, kaufen, trinken, rauchen, diskutieren, erleben, fachsimpeln, staunen, probieren, lernen, entdecken, wohlfühlen, anzünden, finden, versuchen, anschneiden, fühlen, riechen, schmecken».
Ja, zu all dem lässt man sich gern verführen in diesem charmanten Lokal von vielleicht fünf auf fünf Meter. So klein es ist, hat doch drin alles Platz, was es für all diese «Aktivitäten» braucht: eine Theke, einen begehbaren Humidor, eine kleine Lounge-Ecke mit einem Sofa und zwei Sesseln aus rotem Plüsch und einem Clubtisch. Richtig einladend.
«2000 habe ich hier in Rapperswil dieses Lokal eröffnet», erzählt Andreas Stachl. «Bis dahin gab es in dieser Art nur die Lounge von Otto Fischer in Lenzburg und daneben die konventionellen Zigarrenläden.»
LaCorona  ist ein multifunktionales Lokal: Ein Verkaufsladen für Cigarren und Spirituosen –auch Wein ist im Angebot, aber dies ist nur ein «Nebengeschäft» –, eine Lounge zum Verweilen, ein Eventlokal: «Ich führe oft Degustationen durch mit 20 oder 30 Gästen. Das Essen kommt dann jeweils vom Restaurant nebenan.» Im Winter wird’s eher eng, aber im Sommer, wenn die Gäste draussen unter den Arkaden stehen und auf den Korbstühlen an den kleinen runden Tischen sitzen können, ist es die ideale Location für solche Veranstaltungen.
Der Laden ist Dienstag ab 17 Uhr und Mittwoch bis Samstag ab 11 Uhr offen, im Sommer auch am Sonntag. Und dann ist er die meiste Zeit einfach ein ganz normaler Laden, aber eben kein «Rein-Kaufen-Raus-Laden» – dazu führt er schon die «falschen» Produkte: «Ich habe hier lieber 10, 20 gute Gäste pro Tag, die auch verweilen, die eine Zigarre geniessen, als 300, die einfach rasch eine Kleinigkeit kaufen», sagt Andreas Stachl. Und am Samstag ist der kleine Raum auch schon mal ohne organisierten Event rappelvoll mit 30 Leuten, die rauchen, die trinken, die kaufen – eine breit gefächerte Kundschaft.
Im Angebot sind natürlich in erster Linie Zigarren. Das Sortiment umfasst «alles, was man braucht, alle grossen Namen und viel kleine Trouvaillen», wie es Stachl ausdrückt. Das bedeutet über 400 verschiedene Zigarren, ein Schwerpunkt sind Kubaner – wen wunderts bei einem Habanos-Spezialisten, der von sich selber sagt «ich rauche und denke kubanisch»? –, daneben führt er aber auch andere Provenienzen.

Nicht nur Cigarren, sondern auch 150 edle Spirituosen sind im Angebot
Ausserhalb des grossen Humidors dominiert allerdings der zweite Schwerpunkt das Interieur des Ladens: An den freien Wänden sind überall Glastablare angebracht, darauf über 150 Flaschen mit Spirituosen, vor allem viele edle Whiskys und Bourbons, auch Cognacs und Rums. Alle Spirituosen schenkt LaCorona  auch offen aus, auf den Flaschen ist deshalb neben dem Flaschenpreis jeweils auch der Preis für 2 cl angeschrieben, ein durchaus moderater Preis übrigens. Und neu bekommt man jede Sprituose auch in einem 20cl-Fläschchen mit persönlicher Etikette.
Ein nettes Accessoire sticht heraus: Auf einem hohen Korpus steht ein vielleicht fünfzig Jahre altes Röhrenradio mit Holzgehäuse, Stoffabdeckung und der damals üblichen Tabelle der Mittelwellensender ganz Europas aus dunklem Glas, das immer noch funktioniert. Andreas Stachl gibt allerdings zu, dass die Musik von einem angeschlossenen CD-Player kommt, aber die Wiedergabe erfolgt über den originalen Röhrenverstärker und die originalen Lautsprecher.
Für das Lokal braucht Stachl ein Patent zum Führen eines Gastgewerbebetriebs für den Spirituosenausschank, er ist also gewissermassen auch Wirt. Neben diversen anderen Berufen, die der innovative Unternehmer ausübt oder früher ausgeübt hat: «Gelernt habe ich Zimmermann», erzählt er, «dann mich zum Bauleiter ausgebildet. Dann habe ich damit begonnen, Partys zu organisieren und habe auch eine Bar geführt. Dort ist es immer wieder vorgekommen, dass mich Gäste nach einem Whisky oder nach einer Zigarre gefragt haben, die ihnen sehr gut geschmeckt hatten, und sie wollten wissen, wo sie diese kaufen könnten.»

Schon früh fing Stachl damit an, auch Humidore zu bauen
Früher schon, als er in einer Schreinerei arbeitete, fing er mit dem Bau von Humidoren an, die er zuerst seinen Bekannten und dann in einem weiteren Kreis verkaufte, aber «bald habe ich gemerkt, dass ich nicht nur Humidore verkaufen kann, weil irgendwann jeder in meiner Umgebung einen hatte, und ich erkannte, dass ich etwas anbieten muss, was verbraucht wird. So begann ich mit dem Handel mit Zigarren, zuerst übers Internet.» Und dann eben 2000 hier in dem Laden in Rapperswil, 2004 folgte das zweite La-Corona-Geschäft im zürcherischen Uster, den heute seine Partnerin führt.
Der Humidor-Bau läuft über seine andere Firma Astac, die ein paar Dörfer weiter an seinem Wohnort domiziliert ist. Es sind vor allem Spezialanfertigungen, begehbare Humidore für Läden und Hotels zum Beispiel, welche die Astac macht: «Ich habe viel für Davidoff gemacht, und für Villiger habe ich viele Gastro-Schränke hergestellt – eigentlich habe ich für alle grossen und kleineren Importeure gearbeitet.»
Stachl selber ist für Design und Planung verantwortlich, die Herstellung besorgt eine Schreinerei im Auftrag. Doch er wäre nicht gelernter Handwerker, wenn das alles wäre: «Viele Arbeiten mache ich selber, etwa den Einbau der Beleuchtung und Belüftung, wobei mir mein Bruder hilft. Für die Montage ziehe ich dann auch selber die Arbeitskleidung an und nehme Bohrmaschine und Säge in die Hand. Auch meine Partnerin arbeitet, wenn es nötig ist, mit Fräse und Schleifmaschine.»
Am wichtigsten bei einem Humidor, erzählt er, ist es, dass die Zigarren perfekt gelagert sind, dann kommt die bestmögliche Präsentation, und erst danach das Design. Und er erklärt auch, wie heikel der Humidorbau sei. Dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit genau stimmen müssen, und wie schwierig es sein kann, das zu erreichen: «Es ist möglich, dass in einem Humidor ideale Bedingungen herrschen, und in einem anderen zwei Meter daneben nicht, dort gehen die Zigarren in kurzer Zeit kaputt, weil sie zuwenig Feuchtigkeit haben. Das kann zum Beispiel passieren, wenn ein Humidor gleich unter einer Lüftungsanlage steht.»

Sieben Tage die Woche nur im Laden zu stehen, wäre nichts für ihn
Auch wenn ihm von seinen verschiedenen Aktivitäten der Laden in Rapperswil als starkes Standbein kommerziell am wichtigsten ist und er ihn gern vergrössern möchte, sagt er doch und nicht überraschend: «Ich hätte Mühe damit, mich fünf, sechs oder gar sieben Tage in der Woche nur hier um Laden, Gastrobetrieb und Lounge kümmern zu müssen. » Zum Ausgleich schätzte er die handwerkliche Arbeit sehr, aber auch gelegentlich «die Arbeit im Büro, wo ich dann auch mal eine Zeitlang ganz allein bin.»
Klar, Büroarbeit gehört für einen Unternehmer dazu. Etwa, wenn es um Rauchverbote in öffentlichen Lokalen geht: Der Kanton St. Gallen hat auf vergangenen Oktober ein neues Gesetz in Kraft gesetzt, das das Rauchen einschränkt. Andreas Stachl: «Ich habe eine Ausnahmebewilligung beantragt, mündlich ist sie mir bereits zugesagt worden. Die Gemeindebehörden haben zu mir gesagt: Wenn wir nicht Ihnen eine solche Bewilligung erteilen, wem dann?»
Doch Ruhe hat er deswegen noch keineswegs: Eine Abstimmung Ende September im Kanton Zürich ergab auch hier eine Mehrheit für ein Rauchverbot; was dies für sein Lokal in Uster bedeutet, muss Stachl noch überlegen, eventuell kann er die dortige Lounge nur noch auf Clubbasis, also für Mitglieder, weiterführen.
Stachl denkt differenziert über diese Verbote: «Ich habe durchaus Verständnis für die Bemühungen um rauchfreie Räume. Wenn wir auswärts essen gehen, reserviere ich auch einen Nichtrauchertisch, denn ich fühle mich durch Zigarettenrauch beim Essen gestört. Aber ich möchte gern an einen öffentlichen Ort gehen können, wo ich rauchen darf. Wenn dies nicht einmal mehr in speziellen Raucher-Lounges möglich ist, finde ich das schon sehr einschränkend.»
Ganz so weit sind wir allerdings jetzt noch nicht. Deshalb die abschliessende Frage an Andreas Stachl nach seinen persönlichen Favoriten: «Meine Lieblingszigarre ist die Partagas Lusitanas, eine sehr gute Zigarre», sagt er. «Aber dann auch die Zigarren, die man sich in Kuba oder auch mal in der Schweiz an einer Tabakmesse von einer kubanischen Rollerin frisch rollen lassen kann. Das sind Genüsse, zu denen man selten kommt.»●

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