Die richtige Pfeife für den Pfeifenraucher-Sport

Was ist eigentlich eine sportliche Pfeife, fragt sich unser Pfeifenautor, seit ihm der Händler seines Vertrauens eine solche angeboten hat. Wie hat man sich eine Sportpfeife vorzustellen und wozu sollte sie gut sein? Hier versucht er eine Antwort.

Text: Jörg Pannier

DRauchen und Sport – lassen wir ausnahmsweise den gesundheitlichen Aspekt aussen vor, so fällt uns zu diesem Thema meist die ruheständlerische Sportprominenz ein, wie sie für die Titelseiten einschlägiger Magazine posierend auf Aficionado macht und beim Golfen teure Cigarren schmaucht, zum Après-Ski Fidel huldigt oder auf der Harley mit einer dicken Braunen fummelt. Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Aber wo bleibt da die Pfeife, fragt sich der Pipero, der genau weiss, um wie viel praktischer eine sportliche Pfeife beim Golfen oder Segeln ist als eine zickige Corona.
Eine gute Frage besonders in dem sich neigenden Jahr, welches unseren Sportsgeist mit der Europameisterschaft im Public Viewing, der Tour d‘Epo und einer Olympiade der Agitprop-Superlative verwöhnt hat. Wie oft hing es von wenigen hundertstel Sekunden ab, ob Edelmetall oder Blech erreicht wurde. Die jahrelange Trainingsfolter wurde am Ende, also im Ziel, wegen kaum noch messbarer Kleinigkeiten belohnt oder auch nicht. Mit dem Pfeifenrauchen, das auf Lust statt Leistung und Genuss statt Sieg setzt, hat das Gezerre um Punkte und Positionen rein Gar nichts zu tun, ausser man raucht als Zuschauer eines Wettkampfs zufällig Pfeife. Was glühten in diesem Jahr die Pfeifen vor Aufregung, wenn der Schiedsrichter nicht richtig hinsah und sich alle Beschaulichkeit des Pfeifenrauchers in sportlichen Enthusiasmus umschlug.

Pfeifenköpfe mit Fussballdesign – und andere Scheusslichkeiten
Die grossen Hersteller von Pfeifen haben immer schon auf sportive Mega-Events mit limitierten Sondermodellen reagiert, die teilweise wirklich sonderbar anmuten und das nicht nur wegen des Preises. Da werden Pfeifenköpfe im Design von Fussbällen an den Mann gebracht, schicke Ferrari-rote Tabakschlote laden zum Gasgeben ein, olympische Ringe zieren verschiedentlich Holme und manche Pfeifen sind gar im Golfer-Outfit gestaltet, inklusive eines Silberstopfers in Form eines Caddys.
Nun lässt sich bekanntlich über Geschmack nicht streiten, doch sportlich sind diese Pfeifen höchstens im übertragenen Sinne. Etwa so, wie man auch Schlafanzüge, Tweed-Sakkos und selbst High Heels mitunter als sportlich bezeichnet. Solche «Sportpfeifen» sind wohl eher etwas für den aktiven Passivsportler, der seine Sportbegeisterung eben auf diesem Wege ausdrücken will. Was ja auch völlig in Ordnung geht – bloss handelt es sich hier nicht um Sportpfeifen.
Wie steht es nun aber mit jenen geeichten Wettkampfpfeifen, wie man sie bei Pipe Smoking Competitions benutzt. Bei diesen, meist nur eingeweihten Pfeifenrauchern bekannten Wettkämpfen, kommt es, wie könnte es bei der Pfeife anders sein, auf Langsamkeit und Durchhaltevermögen an: Wer mit einer vorgegebenen Menge eines bestimmten Tabaks aus einer genau bemessenen Pfeife mit lächerlich wenigen Streichhölzern am längsten raucht, gewinnt hier Gold. Bei Europameisterschaften kommen immerhin um die 400 Teilnehmer aus 20 Nationen zusammen. Und wer beim Nominierungsrauchen unter zweieinhalb Stunden liegt, braucht gar nicht erst zum Wettkampf anzutreten. Aber auch hier gilt der olympische Mythos: Dabeisein ist alles – und Doping ist unbekannt.
Trotzdem haben es diese Sportveranstaltungen noch nie in die Sportnachrichten geschafft, vielleicht weil Pfeifen-Meisterschaften zugegebenermassen wenig mit der Stimmung bei einem Sechstagerennen zu tun haben. Böse Zungen behaupten sogar, sie seien un­gefähr so spannend, als würde man einem Klecks Farbe beim Trocknen zuschauen.
Finden sich hier nun die gesuchten Sportpfeifen? Fehlanzeige! Die verwendeten Pfeifen sind völlig unspektakuläre Gebrauchspfeifen. Tatsächlich gibt es bislang keine speziellen Wettkampfpfeifen. Man verständigt sich meist auf eine einfache Serienpfeife, die für alle Teilnehmer vorgeschrieben wird um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Vielleicht stellt ja Adidas demnächst für diese Wettkämpfe besondere Sportpfeifen her, aber bislang zeichnet sich noch keine Marathonpfeife im Dunst der Wettkämpfe ab. Schon heute stinkt zwar manche Pfeife wie ein Puma, wenn Nike, der Göttin des Sieges, ein Rauchopfer dargebracht wird, doch ist das eher ein unsportliches Verhalten und hat nichts mit Marken für Sportpfeifen zu tun.

Nicht gerade jede Sportart ist auch zum Pfeifenrauchen geeignet
Bleiben als Sportpfeifen also nur jene Pfeifen, die man bei bestimmten Sportarten raucht. Nun wird man einräumen müssen, dass sich einige Sportarten dem Pfeifenfreund eher erschliessen, als andere. So würde ein Gewichtheber dauernd neue Mundstücke brauchen, sicher ginge es den Springreitern ähnlich und auch Schwimmer und Boxer hätten so ihre Pfeifenprobleme. Doch nehmen wir den Jagdsport, wo die Pfeife des Försters Trost auf dem Hochsitz ist. Golfer, Segler und Angler wissen eine Pfeife ebenso zu schätzen wie der Wandersmann, und sogar Segelflieger sollen sich über den Wolken hin und wieder die grenzenlose Pfeifenfreiheit nehmen. Drei Dinge braucht der Sportsmann. Vor allem aber eine Sportpfeife. Ringen wir uns also zu einer Definition durch.
Sportliche Pfeifen zeichnen sich durch eine robuste und kompakte Bauweise aus. Es handelt sich dabei in der Regel um gebogene Formen, da eine Bent einen günstigeren Schwerpunkt hat als eine gerade Straight-Form. So baumelt eine noch so schwere Pfeife recht bequem im Mundwinkel, ohne die Kaumuskulatur übermässig zu beanspruchen. Das bringt den Vorteil, dass eine Bent solider gebaut werden kann als eine Straight und man darüber hinaus auch noch beide Hände beim Rauchen frei hat, um etwa das Steuerrad fest im Griff zu behalten. Gerade Formen können in der Bewegung störend wirken, vor allem wenn man mit ihnen nicht nur im übertragenen Sinne aneckt. Die Fullbent schmiegt sich geradezu ans Kinn des Rauchers. Doch die Fans ge­rader Formen müssen trotzdem nicht leer ausgehen, denn es gibt extra für
sie handliche Kurzpfeifen mit Stum­melholm und Kompaktmundstück. Das Problem bei diesen «Nasenwärmern»
ist aber, dass sie sich heiss rauchen, weshalb nur erfahrene Raucher zu ihnen greifen.
Da man Sportpfeifen beim Rauchen meist fest zwischen die Zähne klemmt, benötigen sie einen kräftigen, aber bequemen Biss und ein entsprechendes Mundstück aus stabilem Material in solider Verarbeitung. Asiatische Pfeifen mit Metallmundstücken haben sich bei uns (glücklicherweise) nicht durchgesetzt. So wird überwiegend das harte und unempfindliche Acryl verwendet. Manche Raucher setzen aber auch auf eine Mischung aus Acryl und Ebonit (Parakautschuk), da man so witterungsbeständige Mundstücke mit federndem Biss erhält, was auf die Dauer zahnschonender sein soll.
Die Oberflächen von Sportpfeifen sind zumeist dunkel gebeizt, sandgestrahlt oder rustiziert, was sie gegen Schmutz und Kratzer ziemlich unempfindlich macht. Man achtet bei der Holzqualität eher auf gutmütige Raucheigenschaften als auf superbe Maserung, da man eine solche rustikale Pfeife beim Sport raucht und nicht das Rauchen selbst zum Sport macht. Insbesondere bei «Outdoor-Activities» kann die Temperaturregulation beim Rauchen schon mal problematisch werden, weshalb der Kenner zu Pfeifen mit dickwandigen Köpfen greift.

Die «Cabrio-Pfeife» war ein Erfolg – obwohl sie nicht wirklich taugt
Bewährt haben sich beim Segeln, Radeln und Cabrio-Fahren aber auch robuste Bruyère-Pfeifen mit Meerschaumeinsätzen, die es seit einiger Zeit wieder in zufrieden stellender Qualität gibt. Hier kann die Temperatur dem Inneren der Pfeife nicht schaden und der bruchempfindliche Meerschaum ist durch die Holzummantelung geschützt. Gute Erfahrungen kann man aber auch mit einem einfachen Pfeifendeckel machen, der die Pfeife vor Zugluft bewahren und die Umgebung vor Funkenflug schützt. Diese Deckel sind übrigens für nahezu alle Pfeifen erhältlich.
Nicht bewährt hat sich übrigens Dunhills legendäre Cabrio-Pfeife, bei der der vordere Teil des Pfeifenkopfes höher ist als der Rest und so einen Windschutz bilden soll. Im Prinzip eine prima Idee, funktioniert aber nicht. Trotzdem ist Dunhill mit dieser Pfeife bekannt geworden.
Eine wirklich gute Idee ist es hingegen, eine Pfeife dadurch widerstandsfähiger zu machen, dass man den bruchgefährdeten Übergang vom Holm zum Mundstück verstärkt. Hierzu hat man zwei Ansatzpunkte: Zuerst wird der Zapfen im Inneren der Pfeife durch eine so genannte Fase, einer Materialverdickung am Übergang zum Mundstück, verstärkt. Der Zapfen selbst wird heute durchweg aus Teflon hergestellt und ist recht widerstandsfähig.
Die meiste Stabilität erhält eine Pfeife allerdings durch eine Metallhülse zum äusseren Schutz des Holms. Mit solchen Metalloliven, auch Virolen genannt, sollen der Legende nach britische Soldaten erstmals im Burenkrieg die Holme ihrer Pfeifen verstärkt haben. Sie benutzten dazu Patronenhülsen, die sie über das Holmende schoben.
Es liegt nahe, Mundstück und Zapfen ebenfalls durch eine Metallhülse zu schützen. So wurde das Steckermundstück entwickelt. Beides zusammen, Metallolive und Steckermundstück, ergeben eine recht bruchsichere Military-Variante, die Spigot-Pfeife. Heute sind die verwendeten Verstärkungen zumeist aus Silber oder Edelstahl und dienen überwiegend der Zierde oder dem Schutz sehr filigraner Pfeifen. Ebenfalls zum Schutz werden Metallringe oben am Rand des Pfeifenkopfes angebracht, damit bei mangelnder Feinmotorik beim Anzünden die Flamme das Holz nicht ruiniert wird.
Nun ergeben sich aus den bautechnischen Spezifika einer Sportpfeife bestimmte Pfeifen-Shapes, bei denen Form, Funktion und Stabilität besonders gut zueinander finden. Gewicht, Balance und nicht zuletzt ästhetische Gesichtspunkte haben so zu Klassikern der Sportpfeife geführt. Hier seien nur einige genannt: Da ist zuerst die traditionelle Bulldog zu nennen, die mit ihrem stämmigen und grossen Kopf, mit sportivem Einschliff, dem kompakten kantigen Holm und kräftigen Mundstück, bei Kapitänen wie Landratten beliebt ist. Sie ist zwar nicht ganz einfach zu rauchen, aber wegen ihrer handlichen Form und des günstigen Schwerpunkts eine treue Gefährtin zum freihändigen Rauchen. Vorausgesetzt, sie ist nicht zu schwer und gross proportioniert.
Eine Liga für sich sind die unverwüstlichen Rhodesian-Shapes. Meist Bulldog-Formen mit kräftigen Metallbesätzen. Bei den sogenannten Squat Shapes (flache und stämmige Pfeifenformen) handelt es sich um besonders kompakte, meist recht grosse und flache Bulldogs mit kantigem, oft kurzem Holm, gedrungenem Sattelmundstück und kräftigem Biss. Bent Rhodesians sind trotz ihres hohen Gewichts allein schon wegen ihres ausgewogenen ist ausgesprochen bequem zu Händeln.

Unterschiedliche Formen für unterschiedliche «Sportler»
Kürzer, schlanker und leichter ist die Bullcap (auch Cad genannt). Sie ist eher etwas für filigrane Florett-Techniker und weniger geeignet für die Pranken von Zehnkämpfern. Ein schlanker, gerader, meist facettierter Holm, ein kleineres Füllvolumen und der hohe Kopf mit Einschliff lassen sie gleichermassen elegant wie sportlich erscheinen.
Alle Military-Shapes gibt es selbstverständlich auch als hoch elegante Pfeifenformen, wie man es von der Militärkleidung für Zivilisten als «Edelparka» und «Luxus-Duffle» kennt. Eine erlesene Besonderheit bildet die bereits genannte Spigot, meist eine sehr schlanke Billiard oder Bent mit Holm- und Zapfeneinfassung aus Silber. Wegen der Ausstattung gehört sie in die Army-Klasse, aber eigentlich ist sie hierfür viel zu filigran. So passt sie eher ins Casino als ins Manöver.
Eine kugelförmige stark gebogene Bent mit Metallolive erfreut sich insbesondere unter Seglern grosser Beliebtheit. «Knuffig» nennt die Werbung solche Pfeifen meist. Da sie mit einem besonderen Dry-System ausgestattet sind, rauchen sie sich besonders angenehm und unproblematisch, selbst wenn man einmal alle Hände voll zu tun hat. Hier punktet auch die Oom Paul, eine Pfeife so knorrig wie ein alter Baum, gebogen wie ein Haken und meist mit sehr grossem Füllvolumen.
Nun wird mancher einwenden, dass es einfach zu gefährlich sei, beim Sport Pfeife zu rauchen. Sport sei bekanntlich Mord, da könne man doch nicht auch noch solche Risiken eingehen. Wie passionierte Sportraucher dieses Risiko tatsächlich einschätzen und wo sie für sich Prioritäten setzen, zeigt jene Anekdote des weltberühmten Einhandseglers Albert Einstein (1879–1955) der, als einmal sein Boot kenterte, verzweifelt seine Pfeife über die Wogen hielt. Der herbeigeeilten Küstenwache rief er aus dem Wasser zu: «Nehmen Sie um Gottes Willen zuerst die Pfeife!»●

Ausgabe 4/2008

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