Christian Fleisch

Christian Fleisch, der Habanos-Specialist vom Tankstellen-Shop

Etwa zehn Kilometer südlich der Zürcher City steht das Tabaklädeli von Christian Fleisch. An einer vielbefahrenen Verkehrsachse bietet der Habanos-Specialist seinen Kunden ein Sortiment, das nicht nur Cigarren umfasst, sondern auch anderes für den Genuss.

Roland Wehrli

Tabaklädeli
Albisstrasse 29
8134 Adliswil
Telefon 044 710 11 35
info@tabaklaedeli.ch
www.tabaklaedeli.ch

Der Name «Tabaklädeli» klingt ein wenig nach Heidiland. Wer dann allerdings vor diesem Lädeli steht, findet sich überhaupt nicht in einer lauschigen Alpen-Umgebung wieder, sondern mitten in der typisch schweizerischen Hard-Core-Agglo.

Im Inneren zeigt sich der gleiche Kontrast: Das Tabaklädeli erscheint wie eine Mischung aus Tante-Emma-Laden und Tankstellen-Shop an einer Ausfallstrasse. Und ungefähr das ist es auch: Ein charmanter Laden mit ebensolcher Bedienung, mitten in Adliswil bei ­Zürich, wo morgens eine Pendlerflut aus dem Sihltal in die City hinein und abends wieder hinaus schwappt.

Hinter der Theke steht der Besitzer Christian Fleisch zusammen mit seiner «rechten Hand» Dajana Aeschlimann. Im Sortiment haben sie unter anderem über 300 Zigarren, über 100 Marken-Pfeifentabake und gut 20 offene Tabake. Dazu eine kleine aber feine Auswahl an Spirituosen, vor allem Single-Malt-Whiskys, sowie Grappa und Rum. «Auf Wunsch bestelle ich aber für die Kunden auch Produkte, die wir nicht vorrätig haben», sagt Fleisch.
Dann gehören selbstverständlich Accessoires wie Pfeifen, Humidore, Feuerzeuge, Etuis und all die anderen Gerätschaften die man fürs Rauchen so braucht zum Sortiment. Eine kleine Kaffeebar «mit Illy-Kaffee», wie Christian Fleisch nebenbei bemerkt, rundet das Angebot ab. Der Hinweis ist ihm deshalb wichtig, weil er dadurch das Credo seines Ladens unterstreicht: «Es geht bei allem um den Genuss».

Christian Fleisch ist ein echter
Quereinsteiger im Tabakgeschäft

Dabei kommt der Besitzer des Tabak­lädelis ursprünglich aus einem Milieu, das mit Genuss eher wenig zu tun hat:
Er arbeitete im Aussendienst bei einem Unternehmen für Beschläge, verkaufte also etwa Tür- und Fenstergriffe, Garderobenstangen oder Handläufe. Als diese Firma in anderen Besitz überging, war das für ihn der Anlass, sich nach etwas Neuem umzusehen. Da kam ihm gerade gelegen, als er sah, dass ein Kiosk mit kleinem Tabakladen zum Verkauf ausgeschrieben war; im April 2000 konnte er ihn dann übernehmen.

Ein echter Quereinsteiger also. «Ja», gibt er zu: «Vorher war das Rauchen, waren Pfeifen und Zigarillos mein Hobby. Aber im Business hatte ich keinerlei Erfahrung. Ich habe alles selber gelernt. Aus den Gesprächen mit den Kunden und Lieferanten, durch die Schulungen bei Intertabak. Aber ebenso durch ­einen Besuch in Kuba und einen weiteren auf den Dominikanischen Inseln, wo ich die Entstehung der berühmten ­Cigarren vor Ort kennenlernen konnte.»
Im Lauf der Jahre stellte er das Sortiment um, vom ursprünglichen reinen Kiosk-Angebot mit Zeitungen, Zeitschriften und Zigaretten zum Cigarren-Spezialladen mit weiteren Genuss-Artikeln und Online-Shop; Kiosk-Artikel bietet er allerdings immer noch an.

Seit letztem Jahr führt er auch den Titel eines Habanos-Specialist. Neben den Havannas, die laut Dajana Aeschlimann rund 50 Prozent der Verkäufe ausmachen, führt das Tabaklädeli ein ­grosses Davidoff-Sortiment sowie weitere bekannte Namen wie Avo, Laura Chavin oder Griffin‘s aus der Dominikanischen Republik. Hinzu kommen ein paar Produkte aus Honduras und ­Nicaragua.

Habanos-Specialist
Neben den drei Casas del Habano, die nur kubanische Habanos-Produkte führen, gibt es auch die Habanos-Specialists, die zusätzlich andere Provenienzen und Marken anbieten.
Alle verkaufen sie aber nur Habanos-Produkte, die vom offiziellen Vertreter Intertabak AG importiert worden sind.
Die Zahl der Habanos-Specialists ist seit der Einführung des Labels Ende 2007 rasch gestiegen. Derzeit sind es gemäss www.intertabak.ch 19 Geschäfte.

Und er vergrösserte den Laden, soweit es die baulichen Möglichkeiten zuliessen. 2005 konnte er das Keller­geschoss übernehmen; dort sind jetzt der begehbare Humidor und eine kleine Lounge mit acht Plätzen untergebracht.
Die Lounge, erklärt Christian Fleisch, ist tagsüber offen für die Kunden; allerdings ziehen es die meisten vor, oben zu rauchen; hier bilden zwei Sessel mit einem Tischchen gewissermassen eine Mini-Mini-Lounge, hinzu kommen drei Stehtischen für den raschen Kaffee und die Zigarette oder den Zigarillo. Die Lounge im Keller öffnet er auf Voranmeldung auch abends.

Wie es heute zu einem solchen Geschäft gehört, veranstaltet Christian Fleisch gelegentlich Events. Der nächste ist für den 16. und 17. Oktober im Rahmen der Adliswiler Handels- und Gewerbe-Ausstellung geplant. «Dann kommt jemand aus Kuba zu uns», sagt er, «ich weiss allerdings noch nicht, ob eine Rollerin oder ein Roller.» Weiter zum Geschäft gehören kleine Dienstleistungen wie Pfeifenreinigungen und Feuerzeugreparaturen.

Die Lage an der Durchgangsstrasse
ist für das Tabaklädeli ein Vorteil

Das Konzept geht offenbar auf: Angesprochen auf die Lage in Adliswil, die wie erwähnt nicht gerade glamourös ist, sagt er: «Damit bin ich mehr als zufrieden. Das Einzugsgebiet meiner Kundschaft ist gross und reicht vom oberen Zürichsee über das Knonaueramt bis in die Region Zug.» Es ist offensichtlich: Die Lage an dieser Verkehrsachse bringt viele Kunden täglich zwei Mal an seinem Tabaklädeli vorbei, und ihnen ­bietet er etwas, was sie beim Geschäft in der Innenstadt nicht finden: genügend Parkplätze gleich vor dem Haus.

Auch die Wirtschaftskrise scheint am Tabaklädeli bisher spurlos vorbeigegangen zu sein: «Wir beobachten zwar in letzter Zeit, dass die Kunden eher eine preisgünstige Cigarre kaufen, dafür nehmen sie eher noch eine zweite», sagt ­Dajana Aeschlimann, «so dass der Absatz tendenziell eher steigt: Cigarrenraucher sind Leute, die gern etwas Neues ausprobieren – doch auf Qualität achten sie übrigens immer noch so wie früher.»

Überhaupt sieht Christian Fleisch vieles ziemlich gelassen. Etwa die sich ausbreitenden Rauchverbote: «Wahrscheinlich hat das für uns keine Konsequenzen. Ich darf einfach die Kaffeebar nicht vergrössern; damit bleibe ich ­unter der kritischen Grösse. Möglicherweise werden wir sogar mehr Gäste haben, die zu uns kommen, um zu rauchen – und das ist natürlich wieder eine Chance. Ich bin sicher, dass die Zahl der Genussraucher eher zunehmen wird.»

Immerhin fügt er an: «Es ist allerdings schade, dass die Tabaklobby nicht mehr gemacht hat gegen diese Rauchverbote. Damit meine ich besonders die Zigarettenindustrie, aber diese Firmen machen ja inzwischen mit anderen Produkten wie Süsswaren schon mehr Geld und bessere Profite als mit Zigaretten».

Woher kommt denn eigentlich sein Engagement – der Weg vom Verkäufer von Beschlägen dahin, wo er jetzt steht, ist ja nicht gerade eine natürliche Fortsetzung? Die Übernahme des Ladens, sagt er, war einfach eine gute Gelegenheit, mein Hobby zum Beruf zu machen. «Seither gefällt es mir immer besser, und ich bin richtig in diese Tätigkeit hineingewachsen.»

Kein Zweifel, er hat hier seine Berufung gefunden. Genau so wie Dajana Aeschlimann, die über ihre Motivation sagt: «Mich fasziniert, dass man vom ­Tabak nie alles weiss, man kann immer etwas dazulernen. Das brauche ich.» Und beide sagen sie: «Hier wird es ­einem nie langweilig».

Ausgabe 3/2009

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