Camacho

Nicht nur harter Stoff aus Honduras

Mit der Übernahme von Camacho durch Davidoff werden die hondura­nischen Cigarren auch hierzulande noch mehr Aufmerksamkeit erhalten – und aus Honduras kommt durchaus Gehaltvolles für Cigarrenraucher.

Peter Tscharner

Flaggschiff 
mit Premium-Produkten
Das Flaggschiff Camacho wird im honduranischen Danli hergestellt und umfasst Serien wie «Corojo», «Connecticut», «Criollo», «Diploma», «Select», «SLR» und «Tripie Maduro». Neben Camacho gehören auch «Baccarat ‚The Game’» (der Bestseller von Caribe), «Baccarat Dominican», «Don Felo», «Don Macho», 
«La Fontana», «La Fontana Consigliere», «LegendArio», «National Brand» und «The Repeater» zur Angebotspalette des Unternehmens, die «Baccarat»-Linie ist nur erhältlich in Nord- und Südamerika.
In der Schweiz sind von Camacho die Linien Corojo, Corojo Machitos (Small Cigars), Diploma Maduro und Triple Maduro in unterschiedlichen Formaten erhältlich, in Deutschland zusätzlich Select und SLR.

Ach, wie schön ist es doch, wenn man sieht, dass sogar in den besten Familien gestritten wird, was das Zeug hält. In der Familie Eiroa – zwischen Vater Julio und Sohn Christian im Speziellen – geht’s dabei um eine gar simple Frage: Wie stark soll eine Cigarre sein? Doch da ­fliegen schon mal die Fetzen zwischen den beiden, so vor ein paar Jahren, als der Alte sich von Weihnachtsbaum und Bescherung beim Jungen in Miami ­wutentbrannt verabschiedete und zurück nach Honduras zur heimischen ­Tabakfarm und Cigarrenfabrik flog. Und weil die Eiroas eben nicht irgendwelche braven Raucher sind, sondern in Übersee zu den angesehensten Cigarrenmachern gehören, war der Anlass eine Neuentwicklung: Vater Eiroa wollte die Camacho Select gross herauskommen lassen, eine eher milde Cigarre: «Ich will eine Cigarre, von der du fünf oder zehn Stück pro Tag rauchen kannst.» Und Sohn Eiroa ist ganz besonders stolz auf seine Camacho Corojo, ein starkes Stück ausschliesslich aus der alten kubanischen Tabaksorte Corojo, die heute allerdings auf Kuba nur noch sporadisch angebaut wird.

Wie auch immer, Vater und Sohn vertragen sich schon längst wieder ausgezeichnet. Und dass es mal hitzig zu und hergeht, liegt auch am Familienstammbaum. Die Familie Eiroa spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte der Tabakindustrie Zentralamerikas. 

Ihr herausragendstes Mitglied ist der Exilkubaner Julio Eiroa. Sein Vater ­Generoso, ein Einwanderer aus dem nordspanischen Galizien, war im frühen 20. Jahrhundert in Kuba ins Tabakgeschäft eingestiegen.

Exil nach der Revolution – und Rückkehr in die Schweinebucht 

Wie viele der Exilkubaner im Tabakgeschäft, welche ihre Heimat nach der Castro-Revolution von 1959 verliessen, baute sich die Familie von Julio Eiroa in den USA eine neue Existenz auf. Und wie viele Tabakanbauer nutzten auch sie die Plattform Florida für den neuerlichen Sprung nach Zentralamerika, wo sie mit ausgedehnten Plantagen in ­Honduras das Fundament für eine glänzende Zukunft des Familienunternehmens legten.

Der Begründer der Dynastie, Generoso Eiroa, produzierte ab den frühen 1900er-Jahren bis zur Verstaatlichung durch die kubanische Revolutionsregierung im kubanischen San Luis-Distrikt unter anderem ein beliebtes sandfarbenes Deckblatt. Als Folge der Castro-Revolution von 1959 und der darauf folgenden Verstaatlichung der Pflanzungen mussten Eiroas Witwe und seine drei Söhne ohne einen Cent in der Tasche das Land verlassen und liessen sich in Tampa, Florida, nieder. Der jüngste Sohn, Julio, heuerte bei der US-Army an und war in einer Truppe von Exilkubanern auch am missglückten Invasionsversuch in der Schweinebucht beteiligt. Danach heuerte er in Tampa als «Mädchen für alles» in der Perfecto Garcia Factory an, der die Familie Eiroa vierzig Jahre lang Tabak geliefert hatte.

1963 schickte ihn Angel Oliva, einer der grössten Tabakhändler Floridas, im Zuge eines Anbauprojekts der dortigen Regierung nach Honduras. Die Schwierigkeiten, die ihn dort auf dem «Rancho Jamastran» erwarteten, überwand er mit unkonventionellen Lösungen. Der Personalknappheit begegnete er mit der Zwangsverpflichtung von Insassen der staatlichen Gefängnisse, die sich als ­willigere und treuere Arbeitskräfte erwiesen als die lokalen Landarbeiter, die als genügsame Selbstversorger keine Veranlassung sahen, für Geld zu arbeiten. Diese motivierte Eiroa mit seinen Fabrikläden, wo die Arbeiterinnen und Arbeiter mit ihrem Lohn aus den USA importierte Güter des täglichen Gebrauchs erwerben konnten, die in Honduras nicht erhältlich waren.

Nach einem Jahr Zusammenarbeit mit der Familie Oliva machte er sich selbstständig - eine Entscheidung, die die Geschichte des Tabakanbaus in Honduras verändern sollte. Er erwarb eine Regierungsplantage nach der anderen, und dank geschäftlichen Partnerschaften mit Unternehmungen wie Bering Cigars und US Tobacco war Eiroa bereits 1972 der weltweit grösste Anbauer von Candela Tabaken (grünen Deckblättern).

Nicht nur im Beruf, auch in der Freizeit setzte der Unternehmer daraufhin zum Höhenflug an. Er investierte in eine Lufttransportgesellschaft mit sechs Flugzeugen und erwarb selbst den Flugschein. Im September 1977, auf dem Höhepunkt seines geschäftlichen Erfolgs, verletzte er sich bei einer Not­landung mit seiner privaten Cessna am Rückgrat und blieb fortan gehbe­hindert.

In der Krise gab’s einen Ausflug in die Milchwirtschaft

Der schwere Unfall vermochte allerdings weder den Willen noch den Tatendrang von Julio Eiroa zu brechen. Um die Zukunft seiner Kinder Justo, Enita und Christian zu sichern, die damals erst elf, acht und fünf Jahre alt ­waren, beschritt er auch neue Wege und engagierte sich vorübergehend mit unterschiedlichem Erfolg im Tabakgrosshandel und in einem Milchwirtschaftsprojekt, bevor er definitiv zu seiner ursprünglichen Leidenschaft und grossen Passion zurückkehrte. Er engagierte sich in der Tabacalera Panamerica und kaufte das Rancho Jamastran im Jahre 1987 samt den stillgelegten Installationen des Projekts seiner ersten Mission in Honduras  – und produzierte ­seine ersten eigenen Cigarren. In Miami begann er im selben Jahr mit dem Aufbau von Caribe Imported Cigars.

Nach vielen Jahren des Auf und Ab war Julio Eiroa fast am Ziel. Er pflanzte seinen eigenen Tabak, produzierte daraus seine eigenen Cigarren und war Eigentümer der Firma, welche die Distribution in den Vereinigten Staaten, Europa und anderen Ländern der Welt sicherstellte. Die Produktion belief sich in jener Zeit auf 2 bis 3 Millionen Stück im Jahr.

Nun fehlte bloss noch die ganz grosse Marke – und mit Camacho ergab sich 1995 die Gelegenheit, an diese zu kommen. Camacho und ihre Produzenten spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte der Cigarre. Die Geschichte von Camacho beginnt 1961. In diesem Jahr eröffnete der Exilkubaner Simon Camacho eine Fabrik in Miami und begann mit der Herstellung von Cigarren mit Tabak zentralamerikanischer Provenienz. Bald genoss seine Marke auch ausserhalb der USA einen guten Ruf, beispielsweise beim legendären britischen Kriegspremier Winston Churchill, nach dem Camacho eines ihrer Formate benannt hatte. Fünf Jahre nach dem Tod des Firmengründers übernahm die Familie Eiroa 1995 Camacho Cigars und verlegte gleichzeitig die Tabakproduktion für diese Marke von Nicaragua nach Honduras.

Die Nachfolge wurde im Hause Eiroa rechtzeitig geregelt

Im selben Jahr beendete Julios jüngster Sohn Christian 1995 sein Studium mit einem Master in International Business Administration. Nach einer Einarbeitungsphase übertrug ihm sein Vater ­mitten im grossen 90er-Jahre-Boom der Cigarrenindustrie die Verantwortung für den Einkauf und die Produktion. Nach dem Abflauen des Booms ging Christian zurück in die Vereinigten Staaten und sorgte nach einer Weiterbildung in Verkauf und Distribution ­dafür, dass die Umsätze des Familienunternehmens dem Druck des Marktes standhielten. 1998 wurde Christian, der sein Know-how und seine ersten Er­fahrungen auf den Plantagen der Familie in Honduras gewonnen hatte, Präsident von Caribe Imported Cigars. Spätestens zur Jahrtausendwende und mit der Lancierung der höchst erfolg­reichen Camacho Corojo gehörte die ­Familie Eiroa mit ihren Unternehmungen zu den führenden Playern der ­Cigarrenindustrie in den USA.

Seit dem 1. Oktober 2008 gehört ­Camacho Cigars zur Schweizer Oettinger Davidoff Group. Julio Eiroa selbst hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und konzentriert sich auf die Leitung der Plantagen. Christian ­Eiroa bleibt Präsident von Camacho ­Cigars und überwacht zu Hause in Honduras die Cigarrenproduktion aus fünfhundert Acres Corojo Seed Deck­blättern. Sie sind nach der festen Überzeugung von Julio und Christian Eiroa das Geheimnis, das die Camacho-Cigarren von allen anderen Cigarren honduranischer Provenienz unterscheidet. Hier wenigstens sind sich Vater und Sohn einig: Ob mild oder stark, Hauptsache Camacho!

Interview mit Christian Eiroa: «Ich war schon immer ein Tabak-Mann»

Schramm, Eiroa
Cigar-Chefredaktor Stefan Schramm(rechts) im Interview mit Camacho-Präsident Christian Eiroa.

CIGAR: Sie sind ein tough guy, in Honduras aufgewachsen, eine US-Militärakademie besucht, Sie fliegen, tauchen ­fischen – und jetzt sind Sie nur noch ein Angestellter. Schmerzt das nicht?

Christian Eiroa: Nein, ganz im Gegenteil. Die Oettinger Davidoff Group erlaubt es, aus Camacho eine ganz grosse, weltweite Marke zu machen. In den USA haben wir eine sehr starke Marktposition und es war immer mein Ziel, dass Camacho von möglichst vielen Rauchern in möglichst vielen Teilen der Welt entdeckt wird, ich hatte aber nie die Zeit oder die Infrastruktur, die internationalen Märkte zu bearbeiten.

Aber die Selbständigkeit mussten Sie aufgeben …

Unser Mutterhaus ist zum Glück sehr zurückhaltend und vertraut uns; wir können arbeiten wie vorher, der einzige Unterschied ist, dass die Buchhalter jetzt häufiger miteinander reden. Ich habe dieselbe Autonomie wie vorher, da ist niemand in meinem Rücken, der ständig alles in Frage stellt.

Sie sind ja heute Mister Camacho. Wie wurden Sie dazu?

Ich war schon immer ein «Tabak-Mann», schon mit sieben fuhr ich Traktor auf unserer Farm in Honduras, mit acht schickten mich die Mitarbeiter in die Fermentierräume um zuzusehen, wie’s mir schlecht würde – nichts da. Und natürlich arbeitete ich die ganze Zeit immer wieder mal für ein paar 

Wochen mit. Richtig eingestiegen bin ich nach dem College und nach einiger 

Zeit im Finanzbusiness – eigentlich war geplant, dass das nur für sechs Monate wäre. Aber ich blieb dabei. Und bin bis heute fasziniert.

Wie sieht Ihre Rolle bei Camacho aus?

Ich bin der Mann am Telefon, ich bin der Mann, der mit neuen Konzepten kommt, ich bin für alles zuständig. Wenn man in einer kleinen Firma arbeitet – und wir bestehen nach wie vor darauf, wie eine kleine Firma zu arbeiten – dann machst du als Boss einfach alles, was halt gemacht werden muss. Doch meine wichtigste Rolle ist diejenige als Leiter der Produkt-Entwicklung, die zweitwichtigste ist, unsere Verkaufsorganisation zu steuern und die drittwichtigste, das gesamte Team motiviert zu halten. Wir haben grossartige Leute – und mein Vater gibt mir auch noch Rat, ob ich will oder nicht. Und was immer er empfiehlt: ich mach’ das Gegenteil.

Im Ernst?

Nein, natürlich mache ich einen Witz, ich respektiere ihn sehr.

Was fasziniert Sie am Cigar-Business?

Kochen Sie?

Leidenschaftlich…

Sehen Sie, wenn Sie kochen, zum Beispiel ein Stück Fleisch, dann haben Sie eine genaue Vorstellung, wie das am Schluss schmecken soll. Und genau so ist das mit dem Cigarrenmachen. Und wenn etwas, das du kreiert hast, den Rauchern auf der ganzen Welt Freude macht, das ist schon grossartig. Das ist’s, nicht das Geld oder die Verkaufszahlen, schlicht die Freude, etwas Gutes entwickelt zu haben.

Mit 37 sind Sie einer der ganz jungen Player in der Cigarren-Industrie? Kann die Davidoff-Gruppe davon profitieren?

Die Oettinger Davidoff Group ist ein etablierter Hersteller mit einer Gruppe von wunderbaren Marken. Sie sind solid und haben zum Teil eine lange Tradition. Camacho als kleine Company kann sich leisten, sehr offen zu sein, fast schn experimentell. Hier kommt mir mein Alter entgegen: Ich versuche immer, auf die Cigarrenraucher zu hören, die jüngeren vor allem, 25 bis 40. Die erzählen dir, was sie wollen. Das sind die Leute, die immer den neusten Computer haben, die sind experimentierfreudig – auch, wenn‘s um Cigarren geht.

Gibt es denn überhaupt junge Cigarren-Raucher?

In den USA sogar sehr viele, und hierzulande ebenfalls, soviel ich weiss. Ich kenne den Schweizer Markt kaum, aber ich denke, es ist sehr normal, dass die Leute hie und da etwas Neues ausprobieren wollen. Und zwar nicht nur die Jungen. Ich kenne viele älteren Herrn, weit über sechzig, die seit 25 oder 30 Jahren immer dieselbe Marke rauchen – wenn man ihnen mit den richtigen Worten auf die richtige Art etwas Neues vorstellt, werden sie es versuchen.

Und mit Camacho setzen Sie ja auch auf prominente Raucher.

Ja, doch das ist häufig mehr ein Zufall. Warren Buffet, der Milliardär, erhielt jedes Jahr von mir die zweite Kiste der Camacho Liberty – und eines Tages teilte mir sein Sekretariat mit, er müsse seine Cigarren immer mit Arnold Schwarzenegger teilen. Nun kriegt Schwarzen­egger halt immer die dritte Kiste aus der Produktion. Und natürlich haben wir von Robert Dawney bis Robin Leach viele Fans in Holywood – das hat durchaus eine gewisse Ausstrahlung.

Sie kümmern sich um alles, sind immer vorne an der Verkaufsfront mit dabei. Ist das nicht sehr anstrengend?

Doch, das stimmt, in diesem Jahr alleine reiste ich 22 Wochen, die Marke hängt eben eng mit der Person zusammen. Meine Familie in Miami, meine kolumbianische Frau und die drei Boys von sieben, fünf und drei Jahren, hat schliesslich auch ein Recht auf mich, gerade wenn du einen Familienbetrieb führst, ist die Familie besonders wichtig.

Ausgabe 4/2009

Cigarren-Datenbank

Über 500 Cigarren im Test

In jeder Ausgabe von «Cigar» werden aktuelle Cigarren getestet – finden Sie hier die wichtigsten Testergebnisse und Informationen zu den aktuellen Cigarren.

Suchen Sie nach einem Herkunftsland, einer Marke oder einem Format...


...oder geben Sie ein Stichwort für die Suche ein.

Aktion

Verpassen Sie kein «Cigar»

Wenn Sie das neuste «Cigar» jeweils prompt in Ihrem Briefkasten haben möchten und keine Ausgabe verpassen wollen, gibt's einen einfachen Trick - abonnieren Sie. Schon für 36 Franken beziehungsweise 28 Euro senden wir Ihnen das Lifestyle-Magazin ins Haus.

Abonnieren

Werben im «Cigar»

Ein Zielpublikum für Sie

«Man sollte immer erst eine Cigarre rauchen, ehe man die Welt umdreht», erklärte der deutsche Reichskanzler Otto Graf von Bismarck Werben Sie da, wo sich die Leute treffen, die an der Welt drehen.

Print Online