Ein edles Geschenk für den Geizhals mit der teuren Pfeife
Pfeifenraucher sind ein komisches Völkchen – für die Pfeife geben sie rasch ein paar hundert Franken aus, fürs Besteck ist Ihnen schon der Fünfliber zu schade. Also: Schenkt den armen Pfeifenfreunden etwas Edles zum Fest!
Im Kerzenschein glänzen silberne Suppenlöffel, grazile Gabeln und feine Fischmesser. Gutes mit Gutem genossen schmeckt so noch besser. Das gilt auch für den kultivierten Pfeifengenuss. Doch warum benutzen wir dann immer noch die tschechische «Dreifaltigkeit» zur weihnachtlichen Dunhill?
Um die Frage gleich vorweg zu beantworten: Weil viele von uns gar kein anderes Pfeifenbesteck besitzen! Traurig, aber wahr: Obwohl Pfeifenstopfer unentbehrlich sind, gelten sie doch als die Stiefkinder der Pfeifenraucher. Wenn es darum geht, ein Pfeifenbesteck zu kaufen, scheinen sogar Pfeifenenthusiasten einen Igel in der Geldbörse zu haben. Gekauft werden nämlich meist die preiswertesten Modelle. Diese kleinen Rauchhelfer sind nicht nur spottbillig, sie sehen auch so aus. Die weiteste Verbreitung finden jene unverwüstlichen Bestecke, die aus Tschechien stammen und seit über 50 Jahren immer dieselbe Platz sparende Form haben: Die Trinität aus Stopfer, Löffel und Räumdorn wird durch einen gemeinsamen Scharnierring zusammen gehalten.
Nichts gegen Tschechien und seine Pfeifenbestecke, denn immerhin ist die Mutter aller Pfeifenstopfer praktisch, funktional und handlich, doch leider bestechen diese Bestecke nicht gerade durch aufregendes Design oder feine Verarbeitung.
Mancher fragt sich deshalb, ob dieses Pfeifenwerkzeug wohl tatsächlich zu allen Anlässen passend ist. Im Büro mit der Gebrauchspfeife mag so ein Besteck ja harmonieren, aber sonst? Da raucht man beispielsweise einen Spitzentabak aus einer Designerpfeife und benutzt als Stopfer ein Billigteil, dessen Werbeslogan auch lauten könnte: «Ich war mal eine Dose». Das ist, als würde man sich Foie Gras mit einem Blechlöffel in den Mund schaufeln. Manchem wird das egal sein, aber wer etwas auf sich hält, wird es als ästhetischen Abstieg verbuchen, eine stolze Freehand mit so einem Billigteil vorzuführen. Alles ist eine Frage des Stils. Auch und gerade beim Pfeifenrauchen.
Der Star des Pfeifenrauchers ist und bleibt die Pfeife
Offenbar teilen aber nur wenige Pfeifenraucher diese Meinung, jedenfalls sehen die meisten im Pfeifenbesteck ein blosses Werkzeug, um das es sich nicht lohnt, viel Aufhebens zu machen. Schraubenzieher kauft man ja schliesslich auch nicht beim Juwelier.
Das am weitesten verbreitete Argument für das einfache Besteck ist aber, dass es sich kaum lohne, edle Metalle und feine Verarbeitung zu bemühen, weil man die kleinen Dinger sowieso alle Nasen lang verliere. Ästhetik hin oder her, so die Meinung, ein gestandener Pfeifenraucher brauche nun mal ein halbes Dutzend von den Rauchhelfern, und da täten es eben auch die preiswerten.
Dass viele Pfeifenraucher jenen Hilfsmitteln, mit denen sie ihre Pfeifen unter Dampf halten, kaum Aufmerksamkeit schenken, hat aber auch noch einen weiteren, sagen wir mal: psychologischen Grund. Der Star des Pfeifenrauchens ist und bleibt (neben dem Raucher) die Pfeife. Das zeigt schon der Sprachgebrauch: Man raucht nicht etwa Tabak, oh nein, man raucht Pfeife!
Alles andere verblasst neben ihr. Ihre Form, ihre Färbung, ihre Maserung und nicht zu vergessen: ihr Name stehen im Fokus des Interesses. Neben einer solchen pa ist das Pfeifenbesteck ein blosser Statist. Doch Stil zeigt sich gerade in den Details, und so legt der wahre Pfeifenästhet allergrössten Wert auch auf die Kleinigkeiten, wie etwa die Besetzung der Nebenrolle mit einem exzellenten Pfeifenbesteck. Aber muss es wirklich ein Nobelstopfer sein? Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?
Letztlich hängt mal wieder alles am lieben Geld, was jeder Fachhändler bestätigen kann: Die besonders schönen und edlen Pfeifebestecke spielen finanziell etwa in der Liga einer Mittelklasse-Pfeife, und bevor sich der durchschnittliche Pfeifenraucher einen Luxus-Stopfer für ein solches Sümmchen leistet, kauft er sich dann doch lieber eine neue Pfeife. Am besten, das Pfeifenbesteck kostet weniger als ein Päckchen Tabak. Es geht ja auch mit dem kleinen tschechischen Helferlein. Der funktioniert tadellos und kostet sogar noch weniger als ein Einwegfeuerzeug! Kein Wunder, dass man etwas, das man so wenig schätzt, so leicht verliert. Umgekehrt gilt, dass ein besonderes Pfeifenbesteck mehr Aufmerksamkeit von uns geschenkt bekommt und folglich nicht so leicht vergessen oder verloren wird.
Für alle, die zwar ein schönes Pfeifenbesteck zu würdigen wüssten, allerdings in dieser Frage nicht über ihren finanziellen Schatten springen können (oder wollen), bietet Weihnachten eine Chance, denn man kann sich ja einen Nobelstopfer ganz einfach schenken lassen. Mit Sicherheit gibt es auch dieses Jahr wieder jede Menge Leute, denen beim besten Willen kein Geschenk für den passionierten Pfeifenraucher einfällt. Pfeifen sind bekanntlich tabu – die sucht sich der Pfeifenliebhaber besser selber aus! Auch Tabak ist Geschmacksache, aber ein schönes Pfeifenbesteck, tja, da kann eigentlich nicht viel schief gehen, wenn man im Fachgeschäft unter sachkundiger Beratung einkauft. Und falls der Pfeifenfreund zu Weihnachten ein Besteck doppelt oder gar dreifach geschenkt bekommt – umso besser: Für jede Tasche eines!
Eine grosse Auswahl für jedes Budget lässt viel Spielraum
Die Auswahl an Pfeifenbestecken ist genau besehen erstaunlich gross und auch finanziell bleibt überraschend viel Spielraum, denn auch schön designte Pfeifenstopfer müssen nicht unbedingt ausgesprochen teuer sein. Tatsächlich reicht das Angebot vom beschränkten Schulbuben-Budget bis zum nach oben offenen Erbonkel-Etat,vom Mitbringsel über kollegiales Wichteln bis zum ausgewachsenen Weihnachtsgeschenk bietet das Pfeifenbesteck alle Preiskategorien.
Für jene Weihnachtsfrauen, Nikoläuse und Christkinder, die noch das perfekte Geschenk für einen Pfeifenraucher suchen, hier einige grundlegende Tipps: Viele Pfeifenbestecke sind dreiteilig (Löffel, Dorn und Stopfer), doch auf den Löffel (zum Entfernen der Asche aus dem Pfeifenkopf) kann zur Not verzichtet werden. Zweiteilig sollte aber ein Pfeifenbesteck mindestens sein. Neben dem unverzichtbaren Stopfer spielt der lange dünne Dorn auf den ersten Blick heute kaum noch eine Rolle, da man hygienische Putzer aus Baumwolle verwendet, mit denen man von Anfang an den Rauchkanal offen halten kann. Trotzdem kann auf den Dorn nicht verzichtet werden, da man mit ihm während des Rauchens notfalls den Tabak im Pfeifenkopf auflockern kann. Schon so manche «verstopfte» Pfeifenfüllung, die nicht recht ziehen wollte, wurde so doch noch gerettet.
Ausgesprochen praktisch sind Pfeifenbestecke in Form von Schlüsselanhängern. Sie haben den unschätzbaren Vorteil, dass man sie immer dabei hat. Vorausgesetzt natürlich, man hat seine Schlüssel nicht vergessen. Das einfachste und gleichzeitig witzigste Modell ist der so genannten Spiral-Flex-Stopfer. Die eng gewickelte Spiralfeder mit Messingfuss (Stopfer), eingeschraubtem Dorn und Schlüsselring ergibt ein sehr handliches Pfeifenbesteck. Natürlich gibt es auch hochwertige Versionen dieses Schlüsselanhängers. Etwa jene zylindrischen Bestecksysteme, die man, wie ein Geschicklichkeitsspiel, auseinanderschrauben muss, um an die in ihnen verborgenen Werkzeuge zu gelangen. Häufig sind sie aus Metall gefertigt und werden gleich mit einem Schlüsselring geliefert.
Kaum für das Schlüsselbund geeignet sind jene zwar baugleichen Systeme, die aber aus empfindlicherem Holz, in der Regel aus Bruyère, gedreht werden, und bei denen nur Stopfer und Dorn aus Metall sind. Auch die Versionen aus schwarzem Acryl, Aluminium oder Messing sind zwar sehr apart, aber auch recht empfindlich. Sie sind ideal für die (Pfeifen-)Tasche. Zubehörhersteller von Rauchartikeln wie Passatore besetzen in diesem Markt das preisliche Mittelfeld der formschönen und praktischen Pfeifenbestecke und Stopfer.
Noch edler und entsprechend teurer sind jene Modelle, die im Metallic-Look auftreten oder komplett aus Aluminium, Kupfer, Edelstahl oder sogar Silber gefertigt werden. Grosse Namen wie Dunhill und Sillem‘s stehen für funktionales Design, feinste Materialien und tadellose Verarbeitung. Sogar Porsche hat sich an diesem Design erfolgreich versucht und knüpft nahtlos am Ruhm seiner Sportwagen an: Kein Schnickschnack, rassige Formen und robuste Verarbeitung. Fehlt nur noch ein starker Motor. Ob aus Bruyère, Kunststoff oder edlen Metallen, das schlichte ergonomische Design spricht für sich und macht dieses Pfeifenbesteck zum echten Männerliebling. Für alle, die ihre Luxusstopfer am liebsten in Hosen- oder Jackentaschen mit sich herumtragen, sind jene Systeme zu empfehlen, bei denen der Stopfer durch eine Kappe verdeckt werden kann und so die Kleidung vor direktem Kontakt mit Ascheresten geschützt ist. Der Stopfer wird dazu meist in eine feste Hülse gesteckt und verschraubt. In seinem Kopf wird der Dorn verborgen (der bis tief in den hohlen Stopfer reicht). Diese bis zigarillogrossen Stopfer gibt es stilecht aus Bruyère und Messing, aber auch aus Edelstahl, Silber, Speckstein oder verschiedenfarbigem Acryl.
Viele Pfeifenhersteller produzieren auch Pfeifenbestecke
Ein recht verbreitetes System ist der «Automatic-Stopfer» von Vauen. Auf Knopfdruck schnellt aus der etwa kuligrossen Hülse der deutsche Qualitäts-Stopfer zackig hervor. Unter der Knopfmechanik verbirgt sich noch ein langer Räumdorn. Das Ganze ist praktisch, gut durchdacht, wenn auch etwas lang.
Die Automatic-Stopfer gibt es aus verschiedenen Materialien mit entsprechend gestaffelten Preisen. Leider wird der formschöne Zeppelin-Stopfer aus Bruyère nur gemeinsam mit der Vauen-Zeppelin-Pfeife ausgeliefert.
Neben Vauen produzieren auch andere Hersteller von Serienpfeifen Stopfer und Pfeifenbestecke. Viele grossen Marken haben ihre eigenen Systeme und Kreationen. Ob L‘Antara, Design Berlin, Peterson, Savinelli, oder Stanwell, um nur einige zu nennen, die angebotenen Pfeifenbestecke sind in der Regel nicht nur formschön, sondern auch funktional. Schliesslich weiss man aus langjähriger Erfahrung, was Pfeifenraucher wirklich wünschen. Dabei bemüht man sich in jedem Modell auch die ästhetische Handschrift der Produktlinie fortzuführen. Da ist es nur ein konsequenter Schritt einiger Hersteller, Pfeifenbestecke passend zu ausgewählten Pfeifenmodellen anzufertigen und diese im Set gemeinsam zu verkaufen.
Ein besonderes Highlight italienischen Designs ist der Stopfer von Savinelli: Aus einer stilisierten, geglätteten und auf Hochglanz polierten Hufnagelform wird ein jedem Bauhaus-Design in nichts an schlichter Funktionalität nachstehender Stopfer aus Edelstahl gefertigt. Der Nagelkopf dient zum Stopfen, die Spitze läuft in einen gekehlten Spatel aus und bildet so gleichzeitig Dorn und Löffel. Einfach, genial, praktisch und schön. Mit seinen gerade mal sieben Zentimetern Länge ist dieses Pfeifenbesteck besonders zierlich. So passt es nicht nur in jede Pfeifentasche, es passt auch zu jeder Pfeife. Und ganz nebenbei zeigt Savinelli, dass grosses italienisches Design auch zum kleinen Preis erhältlich ist.
Ausgesprochen ungewöhnlich, wenn auch nicht immer an der Funktionalität orientiert, sind jene Pfeifenstopfer, die man noch am ehesten als Fan-Artikel bezeichnen könnte: Neben mehr oder weniger geschmackvollen Museums-Replikaten aus viktorianischer Zeit gibt es Sherlock-Holmes-Devotionalien und Stopfer mit Jagd-, Golf- oder Angelmotiven sowie saisonalen Themen (etwa Dunhills Weihnachtsstopfer). Daneben findet sich noch eine schier endlose Reihe phantasievoller Freehand-Stopfer aus Silber, Messing, Acryl, Horn, Geweih oder Bruyère. Sie entstehen zumeist in den Werkstätten bekannter Pfeifenmacher, es handelt sich dabei um handwerkliche Unikate, die in ihrem Design die unverwechselbare Handschrift des Künstlers tragen.
Eine Liga für sich sind Taschenmesser, die ein Pfeifenbesteck enthalten. Hier ist nicht die Rede vom knallroten Multi-Tool für die Schweizer Armee, sondern von feinsten Klappmessern aus dem Französischen Laguiole. So stellt man etwa bei Forge de Laguiole Pfeifenmesser der Luxusklasse her. Die Messer sind funktional mit Räumdorn und einer an der Spitze abgerundeten Spatelklinge ausgestattet. Der Stopfer befindet sich als Ausläufer am Ende des Griffs. Alle verwendeten Materialien sind von erlesener Qualität. Polierte Messingbacken runden das nostalgische Erscheinungsbild ab. Die sauber verschachtelten Griffschalen werden in mehreren Ausführungen angeboten – obwohl für den Pfeifenfreund eigentlich nur Bruyère in Frage kommt.
Nicht zu empfehlen sind dagegen billige Pfeifenmesser. Ob in Pfeifen- oder Delphinform, ob mit oder ohne Griffschalen, meist bietet sich das gleiche traurige Bild: Die Blechmesserchen sind oft scharfkantig, wo sie besser abgerundet wären, und stumpf, wo sie scharf sein sollten. Der Stopfer ragt ungeschützt hervor, und auch sonst scheint man sich nicht allzu viele Gedanken über Funktionalität und Ergonomie gemacht zu haben.
Bleibt noch die grosse Palette der opulenten und repräsentativen Stopfer, die mit ihren ausladenden Köpfen, prächtigen Applikationen, schweren Materialien, sperrigen Ausmassen oder historisch-rustikalem Design kaum fürs ambulante Rauchen geeignet sind. Sie sind dazu gedacht, als Tischschmuck neben Pfeifenascher, Tischfeuerzeug und Tabaktopf den Rauchtisch zu zieren. Hier taucht auch wieder der Hufnagel auf, allerdings nun sein grosser eloxierter Bruder, der, offenbar vom Hufschmied höchstpersönlich in einen rustikalen Bruyère-Klotz geschlagen wurde.
Nicht jedes Besteck ist auch für jeden Pfeifenraucher geeignet
Pfeifenraucher, die am liebsten im Lehnstuhl vor dem Kamin ihr Pfeifchen schmauchen, werden diese Variante des Pfeifenstopfers vielleicht mögen, andere haben dagegen die Angewohnheit, das Pfeifenbesteck beim Rauchen mit dem kleinen Finger in der Hand zu halten, um es immer parat zu haben. Hier scheiden sich die Geister hinsichtlich Funktionalität und Design. So hat eben jeder seine Vorlieben, und es findet sich für alle das richtige Geschenk. Was wiederum Weihnachten so richtig fröhlich macht. Falls Sie dieses Jahr leider kein schönes Pfeifenbesteck geschenkt bekommen – na dann geben Sie sich doch mal einen Ruck und spendieren sich selbst ein richtig gutes. Schliesslich ist Weihnachten!
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