Robert Langnickel: «As times goes by...»
Die Altvorderen gingen rückwärts in die Zukunft. Dann die griechischen Philosophen. Bei Kirchen-vater Augustinus misst die Seele Zeit. Der grosse Umbruch im 17. Jahrhundert, die mechanische Zeitmessung. Dann kommt Heidegger und McTaggart sagt zum Schluss: Zeit ist irreal. Auf geht’s.
Ein Gespräch mit Robert Langnickel
Robert Langnickel, geb. 1976, studierte Philosophie, Literatur, Geschichte und Psychologie an der Universität Bielefeld und an der Kirchlichen Hochschule Bethel in Bielefeld. Seit 2007 ist er Assistent und Dozent am Philosophischen Seminar an der Universität Zürich.
Seine Forschungsinteressen in Philosophie gelten insbesondere den Autoren Sextus Empiricus, Descartes, Kant, Schopenhauer und Heidegger. In systematischer Hinsicht beschäftigt er sich mit Fragen der Erkenntnistheorie und der Ästhetik. Darüber hinaus arbeitet er zu psychoanalytischen Themen. Privat widmet er sich voller Leidenschaft der Gastrosophie und liebt das Berner Oberland wie die Nordsee.
E-Mail: langnickel@philos.uzh.ch
Cigar: Fangen wir also vorne an. Das heisst eigentlich hinten, denn vor uns ist doch die Zukunft und hinter uns liegt die Vergangenheit. Ist dem etwa nicht so?
Robert Langnickel: In den semitischen Sprachen wie zum Beispiel im Akkadischen war es so, dass wir mit dem Wort für Vergangenheit auch die Vorderseite, das heisst das was vor uns liegt, bezeichnen. Die Zukunft liegt im Bezug auf den menschlichen Körper gesehen, hinter uns.
Cigar: Kann man sie sehen wenn man sich ganz schnell umdreht?
Langnickel: Kaum.
Cigar: Man geht also rückwärts in die Zukunft?
Langnickel: Könnte man so sehen. Diese Leibgebundenheit der Zeitbegriffe hat sich geändert durch die griechische Philosophie. Es ist massgeblich durch die griechische Philosophie eine Grundlage dafür gelegt worden, dass wir überhaupt vom Abstraktum Zeit sprechen können.
Cigar: Dem Abstraktum haben die griechischen Denker aber die dazugehörigen Geschichten gegeben.
Langnickel: Ganz am Anfang war für die Griechen die Zeit gewissermassen ein Gott. Ich spreche von Chronos, einem Sohn der Göttin Gaia, der Erde, und Uranus, dem Himmel.
Cigar: Wie teilten denn die Griechen die Zeit ein?
Langnickel: Es gab natürliche Uhren. Sogenannte astrochronologische Uhren. Mit Hilfe des Sternenhimmels wurde die Zeit bestimmt. Schon früh haben die griechischen Denker, zum Beispiel Aristoteles in seiner Physik, ausgeführt, dass Zeit ohne Bewegung ohne Veränderung nicht denkbar ist. Das heisst, Zeit können wir nur messen durch Bewegung oder Veränderung.
Cigar: Und die Griechen haben den Verlauf der Sterne beobachtet und so quasi die Zeitmessung entdeckt?
Langnickel: Nun, holen wir die Sterne vom Himmel herunter. Die Drehung des Sternenhimmels wurde in der Antike, von Platon und von Aristoteles, als absolut regelmässig und kreisförmig gedacht. Aristoteles hat diese Himmelsmechanik nicht primär entdeckt aufgrund von Experimenten, sondern aufgrund von theologischen Überlegungen. Es war die Kreisbahn, die als vollkommen galt.
Cigar: Deshalb die runden Zifferblätter?
Langnickel: Soviel hat der Sternenhimmel mit einer Armbanduhr zu tun. Wenn wir also eine Uhr tragen und die Zeit ablesen, könnte man sagen, eine analoge Armbanduhr ist ein Abbild dieses antiken Zeitmodells.
Cigar: Und was wäre denn eine digitale Armbanduhr?
Langnickel: Die digitale Uhr basiert auf einem anderen Zeitkonzept. Sie hat sich entfernt von der Bewegung der Gestirne. Es ist die Zeit mit der man rechnet. Diese Uhren legen noch mehr als astrochronologische Uhren den Schluss nah, dass die Zeit etwas objektives ist. Etwas was gemessen werden kann. Etwas was ausserhalb von uns ist.
Cigar: Doch es gibt in uns eine andere Zeit?
Langnickel: Der Kirchenvater Augustinus im vierten Jahrhundert hat sich auch die Frage nach der Zeit gestellt: «Was also ist Zeit? Wenn mich niemand fragt, weiss ich es, soll ich es einem Fragenden erklären, weiss ich es nicht.»
Cigar: Trotz dieser Einschränkung erklärt er uns ein neues Zeitverständnis?
Langnickel: So ist es. In der Antike wurde die Zeit an Himmelsbewegungen festgemacht. Aber Augustinus geht weiter. Er sagt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind keine drei verschiedene Formen der Zeit. Vielmehr gibt es drei Formen der Gegenwart: eine Gegenwart des Vergangenen, eine Gegenwart des Gegenwärtigen und es gibt eine Gegenwart der Zukunft.
Cigar: Sehr schön gesagt.
Langnickel: Die Gegenwart des Vergangenen messen wir mit der Seele und nennen es «Erinnerung». Die Gegenwart des Gegenwärtigen messen wir auch in der Seele und nennen es «Anschauung» und die Gegenwart des Zukünftigen wird ebenfalls mit der Seele gemessen und wir nennen es «Erwartung».
Cigar: Der Mann spricht mir aus der Seele.
Langnickel: Interessanterweise verlagert Augustin Zeit in das Subjekt hinein. Nicht mehr die Bewegungen der Gestirne, sondern die Seele zählt. Die Seele, die sich erinnert, sich vergegenwärtigt, die erwartet.
Cigar: Steht Augustinus Betrachtung der Zeit vor einem religiösen Hintergrund?
Langnickel: Es sind theologische und philosophische Betrachtungen zugleich. Und für die heutige Zeitforschung immer noch von massgeblicher Bedeutung, weil Augustin viele Paradoxa untersucht. Zum Beispiel die Analyse von sogenannten Jetztpunkten. Einerseits ist die Gegenwart schon Vergangenheit und andererseits ist die Gegenwart noch nicht Zukunft. Die grosse Frage ist nun: Wann ist «Jetzt».
Cigar: Eine ganze Weile bleibt es nun ruhiger an der Zeitfront. Was kam dann?
Langnickel: Im 17. Jahrhundert gab es einen grossen Umbruch in der Wissenschaftsgeschichte. Früher gab es eine fundamentale Trennung zwischen der Natur und den Gegenständen, die von Menschen hergestellt worden sind. Wenn ich vor dem 17. Jahrhundert einen Stein fallen lasse, im aristotelisch-scholastischen Weltbild, dann fällt er weil sein natürlicher Ort der Erdmittelpunkt ist, dieser Stein hat ein Ziel in sich, er strebt zu seinem natürlichen Ort.
Cigar: Die natürliche Ordnung
Langnickel: Es ist auch Gottesordnung. In einer neuzeitlichen Naturphilosophie ist es anders. Nehmen wir das Fallgesetz von Galilei. Es ist völlig egal ob ein Hund, ein Mensch oder ein Schwein fällt, das Fallgesetz gilt. Diese Gesetze gelten universell. Das heisst die Idee, dass Gegenstände ihren natürlichen Ort haben, wird durchbrochen. Die Natur kann man mit Hilfe der Mathematik berechnen. Wie sagte Galilei: «Was messbar ist messen und was nicht messbar ist messbar machen.» Das ist beispielhaft für diese neue Haltung.
Cigar: Man benutzt die Uhr um sich der Natur anzunähern?
Langnickel: Es gab die Uhr schon früher, aber im 17. Jahrhundert wurde die Uhr sowohl als Modell für das Universum, als auch als Modell für die Natur gesehen. Die Natur war gewissermassen nach mechanischen Prinzipien aussagbar. René Descartes hat in seinem naturphilosophischen Werk Prinzipien der Philosophie das Heranreifen von Früchten am Baum gleichgesetzt mit dem Anzeigen der Stunden an einer Uhr.
Cigar: Das kommt mir fast wie eine Philosophievermeidungsstrategie vor, das klingt sehr naturwissenschaftlich.
Langnickel: Die Uhr war eben ein paradigmatischer Gegenstand, eine Uhr konnte nach mathematischen und mechanischen Prinzipien analysiert werden. Die Genauigkeit und Präzision des Uhrwerks waren ein wichtiger Punkt um den Vergleich mit der Natur formen zu können. Wenn man Bewegung in der Natur analysiert, zum Beispiel zyklische Bewegungen, die in einer Regelmässigkeit auftreten, braucht man ein Messinstrument, welches auch diese Regelmässigkeit hat.
Cigar: Die Zeit als selbstständiger Faktor?
Langnickel: So kann man sagen. Die Zeit kann wie der Raum als ein Behälter aller körperlichen Gegenstände betrachtet werden. Newton betrachtet beispielsweise 1687 in seinen Principia Mathematica die Zeit als etwas Objektives und vom Menschen unabhängiges: «Die absolute, wahre und mathematische Zeit verfliesst an sich und vermöge ihrer Natur gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen äusseren Gegenstand.»
Cigar: Und was sagen die Philosophen zu dieser Definition?
Langnickel: Kant schreibt 1781 in seiner Kritik der reinen Vernunft, dass Raum und Zeit Formen unserer sinnlichen Anschauung sind. Raum und Zeit sind die Bedingungen dafür, dass wir die Gegenstände als Gegenstände wahrnehmen. Wir ordnen die Gegenstände nebeneinander im Raum, und nacheinander in der Zeit. Raum und Zeit sind Formen unseres Bewusstseins, die dafür Sorge tragen, dass wir überhaupt so etwas haben wie sinnliche Erfahrung.
Kant würde sogar sagen, dass wir noch nicht einmal über die Aussenwelt nachdenken könnten, ohne über Raum und Zeit als Form der Anschauung zu verfügen. Er verlagert, wie Augustinus, die Zeit auch in das Subjekt, in den Menschen.
Cigar: Trotzdem gewinnen in den kommenden Jahren die naturwissenschaftlichen, physikalischen Zeitkonzepte mehr und mehr an Boden. Man lebt nach der Uhr.
Langnickel: Was tun wir im Alltag wenn wir fragen: Was für Zeit ist es jetzt? In der Regel schauen wir dann auf die Uhr. Es gibt von Heidegger eine philosophische Analyse des Zeitablesens an der Uhr. Was tun wir eigentlich wenn wir auf die Uhr schauen? Wir vergegenwärtigen uns die Zeiger und definieren einen ganz bestimmten Jetztpunkt. Die Uhr ist dazu geeignet, das abzubilden was Heidegger als Weltzeit bezeichnet. Es ist eine Zeit nach der Menschen sich richten können, eine Zeit ausserhalb des Menschen, und eine Zeit die an das Jetzt geknüpft ist.
Cigar: Das ist die Zeit, die man mit Händen greifen kann, die man fassen kann.
Langnickel: Heidegger bezeichnet diese Weltzeit auch unterschiedlich als uneigentliche Zeit oder als vulgäre Zeit. Und er stellt dieser Zeitkonzeption eine andere Zeitkonzeption entgegen. Heidegger versucht nichts weniger als die Frage zu beantworten: Was ist der Sinn vom Sein.
Cigar: Der Sinn des Daseins des Menschen?
Langnickel: Und um diese Frage zu beantworten sagt er, eigentlich müsste ich etwas befragen was in einem gewissen Seinsverständnis lebt. Das ist der Mensch. Wesentlich für diesen heideggerschen Menschen und dessen Dasein ist seine Zeitlichkeit.
Cigar: Dass er weiss, wie spät es ist?
Langnickel: Zeit ist bei Heidegger vor allem im Sinne von Zeitlichkeit, Begrenztheit, Endlichkeit zu verstehen. Das hat aber für ihn eine äusserst positive Konotation. Es ist die Voraussetzung dafür Entscheidungen fällen zu können. Die Bedingung ist, dass wir als Menschen endliche Wesen sind.
Cigar: Wir sind sterblich.
Langnickel: Das ist ein wichtiger Punkt. Die eigentliche Zeit, auf die Heidegger hinaus will, ist nicht die Jetztzeit, ist nicht die Zeit der Uhr.
Cigar: Welche denn?
Langnickel: Heidegger vertritt die Ansicht, dass es der Mensch ist, der Zeit bestimmt. Dieses geschieht aber nur in Ausnahmefällen.
Cigar: Und diese Ausnahmefälle bestimmt er selbst, der Mensch?
Langnickel: Diese Ausnahmen haben nach Heidegger bestimmte Voraussetzungen. Es ist die Angst, nicht irgendeine Angst, es ist die Todesangst. Die Angst vor dem Tod.
Cigar: Die Angst vor dem Ende?
Langnickel: Heidegger nennt das was die Angst bewerkstelligt auch «Vorlaufen in den Tod». Er sagt, dass wir in der Regel dieser Angst ausweichen. Wir leben in der Sphäre des «man». Wir machen das was «man» halt macht, was man so tut. Wir verlieren uns an die Jetztzeit und denken, dass die Jetztzeit die eigentliche Zeit ist.
Cigar: Das hört sich so an wie wenn Heidegger nicht dieser Meinung wäre?
Langnickel: Eben umgekehrt. Für ihn ist die Jetztzeit die uneigentliche Zeit, und die eigentliche Zeit ist die Zukunft. Das heisst, dass wir erkennen, dass wir nicht nur, wie Heidegger es ausdrückt, in die Welt geworfen sind, sondern, dass wir uns auch selbst entwerfen müssen.
Cigar: Er dreht also den rückwärtsgehenden, in die Vergangenheit schauenden Menschen um? Vergiss die Angst vor dem Tod und gestalte?
Langnickel: Es ist schwierig. Kierkegaard sagt in seinem Werk «Der Begriff Angst»: «Je weniger Geist, desto weniger Angst.» Angst offenbart die Möglichkeiten, die ein Mensch hat.
Cigar: Simpel gesagt, von Todesangst gepeinigt suchen wir nach Auswegen?
Langnickel: Wenn wir die Möglichkeiten durchspielen erkennen wir, dass wir Wesen sind die sich entwerfen müssen. Entscheidungen müssen gefällt werden. Es bedeutet auch, indem ich mich für etwas entscheide, entscheide ich mich gleichzeitig gegen etwas anderes. Durch eine authentische Wahl wählt man sich selbst, man gewinnt sich selbst. Man macht nicht dass, was man so tut. Es sind besondere Augenblicke ...
Cigar: In denen man eine Wahl treffen kann.
Langnickel: Auch wenn ich keine Wahl treffe ist das bereits eine. Das heisst, man kann gar nicht wählen.
Cigar: Das klingt furchtbar anstrengend.
Langnickel: Wir leben zunächst und zumeist in der Jetztzeit. Und zunächst und zumeist erkennen wir das nicht. Simone de Beauvoir hat 1946 unter dem Titel «Alle Menschen sind sterblich» ein Szenarium beschrieben, wo ein Mensch durch Einnahme eines Trankes unsterblich wird. Dieser Mensch, der eben keine Endlichkeit mehr hat, trifft gar keine Entscheidungen von grosser Tragweite mehr. Die Welt ist für ihn nur noch ein Strom in dem er sich treiben lässt, und er will eigentlich nicht mehr.
Cigar: Was ja ein wesentliches Merkmal des Menschen ist, dass er will ...
Langnickel: Richtig. Doch wir müssen hier aufpassen. Es ist keine völlige Selbsterfindung. Wir werden eigentlich nur das was wir eh schon sind. Aber Möglichkeiten ergreifen ...
Cigar: Oder eben nicht.
Langnickel: Heidegger würde sagen, man lebt in der Sphäre des man. Das ist der Existenzmodus, in dem wir uns in der Regel befinden.
Cigar: Ist es denn erstrebenswert aus diesem Existenzmodus auszubrechen?
Langnickel: Es macht die Sachen tatsächlich nicht einfacher sondern schwerer. Heidegger vertritt die These, dass diese Jetztzeit, also die Uhrzeit und die physikalische Zeit, eigentlich nur eine abgeleitete Zeit ist, abgeleitet von der Zeitlichkeit des Menschen. Aber weil der Mensch in der Regel die Angst vor dem Tod im Alltag beiseite schiebt, verliert er sich an diese Jetztzeit. Das ist eine psychologische Erklärung für die sogenannte physikalische Zeit.
Cigar: Es scheint, dass das Leben einiges bequemer ist wenn man in der man – Zeit lebt.
Langnickel: Es ist nicht nur bequemer sondern, laut Heidegger, liegt es auch im Menschen begründet, dass er so wählt. Die eigentliche Zeit erfordert, dass man sich auf diese Angst vor der eigenen Endlichkeit einlässt.
Cigar: Da wehrt sich der Geist dagegen, man verdrängt seine Sterblichkeit. Weshalb sich diesen Ängsten aussetzen. Wo liegt hier der Sinn?
Langnickel: Der Sinn ist, dass ich begreife, dass ich als Mensch ein Wesen bin das existiert. Es ist meine Aufgabe mich zu entwerfen. Heidegger sagt auch, dass der Sinn des Daseins die Zeitlichkeit ist.
Cigar: Zeitlichkeit gleich Endlichkeit
Langnickel: Begrenztheit. Doch man könnte sich beispielsweise mit McTaggart aus der Affäre ziehen.
Cigar: McTaggart?
Langnickel: McTaggart hat 1908 einen Aufsatz geschrieben mit dem Titel «Die Irrealität der Zeit».
Cigar: Und das in der Zeit der realen Stechuhren?
Langnickel: Seine These ist folgende: Wir können sinnvollerweise zeitliche Erreignisse nur auf zwei Arten betrachten. Wir können sie anordnen in einer A-Reihe: Vergangen, gegenwärtig und zukünftig, und wir können sie anordnen auf eine B-Reihe: früher, gleichzeitig und später. Diese beiden Betrachtungsweisen scheinen auf den ersten Blick sehr ähnlich zu sein. Das Besondere ...
Cigar: In der B-Reihe gibt es keine Zukunft?
Langnickel: Stimmt, der Begriff taucht nicht auf. Das Besondere an der Reihe A, sagt Taggart, ist, dass es vom Standpunkt des Betrachters abhängt, also kontextabhängig ist, ob etwas vergangen, gegenwärtig oder zukünftig ist …
Cigar: Hm ...
Langnickel: Die B-Reihe hingegen ist kontextunabhängig. Es werden nur Ereignisse miteinander verglichen. So könnte man sagen der Buchdruck war früher als das Telefon. Oder das Telefon war später als der Buchdruck. Das sind statische Bezeichnungen, die sich nicht mehr ändern. Diese Ereignisse bleiben in der Reihenfolge.
Cigar: Tja ...
Langnickel: Hingegen ist es in der A-Reihe so, dass die Einteilung in Vergangen und Zukünftig auf mich als Urteilenden verweisen und deshalb auch dynamisch sind. Und jetzt betont Mac Taggart noch eine ganz wichtige Voraussetzung, die wir schon kennen, indem er sagt, Zeit ist Veränderung, Veränderung von Ereignissen.
Cigar: Eben ...
Langnickel: Aber durch die B – Reihe ist die Zeit nicht zu erfassen. Weil sie keine Veränderung zulässt und die A-Reihe setzt die Zeit gewissermassen bereits voraus. Ergo: Zeit ist irreal. Weil sie weder durch die A-Reihe noch durch die B-Reihe ausgesagt werden kann.
Cigar: Aha ...
Langnickel: Man wirft Taggart vor, er verwechsle Ereignisse mit Dingen und selbst wenn McTaggert bewiesen hätte, dass Zeit in gewisser Weise irreal ist heisst es nicht, dass Zeit schlechthin irreal ist und nicht existiert. Es heisst vielleicht bloss, dass Zeit subjektabhängig ist.
Ausgabe 2/2010
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