Intertabac: Rauchende und Rauchendes
Die Intertabac in Dortmund ist die grösste Fachmesse der Welt. 7000 Fachbesucher, ein Umsatzvolumen von mehr als 63 Millionen Euro. 10 000 Euro pro Kopf. El Dorado! Konjunkturanstieg von über 40 Prozent. «Krise! Wo Krise?»
Suisse Tabac 2010
Langsam hat es sich herumgesprochen dass die Schweizer Tabakfachhändler ihren eigenen Treffpunkt eingerichtet haben. Im Kongress-Zentrum in Basel waren es dieses Jahr 19 Aussteller, zwei mehr als 2009. Gerade fünf Jahre gibt es die Messe und sie baut sich kontinuierlich aus. Ob das Datum so kurz vor der «grossen Schwester» Intertabac in Dortmund gut gewählt ist, bleibe dahingestellt. Zweifellos ist es aber so, dass die nationale Rauchszene einen eigenen, spezifischen Ort, sich auszutauschen und kennenzulernen, gut gebrauchen kann. So erklärt sich auch das wachsende Interesse an der Messe. Wie man von verschiedenen Ausstellern hören konnte, waren sie mit den Umsätzen zufrieden und werden auch nächstes Jahr wieder dabei sein. Der Veranstalter, IG Suisse Tabac, in der sich einige Vertreter der Branche zusammengetan haben, kündigt an, im nächsten Jahr mehr zu unternehmen, um den Bekanntheitsgrad der Veranstaltung zu erhöhen. Es werden auch weitere Aussteller erwartet. Die Zukunftsprognosen für eine Schweizer Plattform für Trends, Neuheiten und Informationen im Geschäftsbereich Tabak sehen gut aus.
Die Suisse Tabac 2011 findet vom 10. bis 12. September wiederum im Congress Center Basel statt.
www.suissetabac.ch
Klappern gehört zum Handwerk
Und in Dortmund, an der 32. Fachmesse für Tabakwaren und Raucherbedarf, der Intertabac, wurde geklappert auf höchstem Niveau und mit überzeugendem Erfolg. In der letzten Ausgabe schrieb ich über die Messe in New Orleans, die ICPCR, welche sich als grösste Tabakfachmesse der Welt präsentiert. Nun, das tut die Intertabac in Dortmund auch und wenn man die Zahlen vergleicht ... the winner is ... tatsächlich Dortmund! Die Branche trifft sich dort und wer in New Orleans Rang und Namen repräsentierte, tat dies auch in der Westfalenhalle. Nicht zuletzt das internationale Flair der Messe, rund 40 Prozent der Aussteller kamen nicht aus Deutschland, machte aus der Ausstellung das grosse Familientreffen der Branche. Und weil die «Tobacconists» sich selber als eine grosse Familie verstehen, sind die Tabaktage im herbstlichen Dortmund nun endgültig zur Familienfeier der Raucher erkoren worden. Dass sich das lohnt, zeigen die steigenden Umsatz, und Besucherzahlen. Bitte schön: 7000 Fachbesucher, das mag fast gemütlich klingen, doch es hört auf mit der Beschaulichkeit, wenn man sich vorstellt, dass diese Besucher ein Umsatzvolumen von mehr als 63 Millionen Euro generieren. Fast 10 000 Euro pro Kopf! El Dorado! Ein kräftiger Konjunkturanstieg von über 40 Prozent, Tendenz steigend. Krise?
Die Fahrzeuge vor der Eingangshalle liefern denn auch einen Eindruck, aus welchen Kreisen die Besucher der Westfalenhallen kommen. Der Lamborghini mag der Schnellste sein, doch im Independence-Bus raucht und reist es sich geselliger. Das altneue Hippiesymbol «Volkswagenbus nach Kathmandu» wird von einem Blättchenhersteller ebenfalls werbewirksam für die selbstdrehende Gemeinde der Feinschnittkonsumenten ins Blickfeld gerückt.
Schaffen und Geschäfte
Trotzdem gehört ein wenig Klagen mit dazu. Die Ausgrenzung der Raucher, die Rauchverbote im Besonderen und im Allgemeinen, die steigenden Zölle, Steuern und sonstige Abgaben, der brasilianische Tabakpreis und die Werberegulierungen. Alles nicht so einfach. Es muss gearbeitet werden fürs Geld. Das ist nun wiederum keine Neuigkeit, also geht man konkret zur Sache. An Gesprächspartnern ist kein Mangel, aber die Jagd, den richtigen Partner zum richtigen Moment zu erwischen, ist kein einfaches Vorhaben. Gar knapp ist die Zeit bemessen und manch einer hat ein gewaltiges Besuchs- und Gesprächspensum zu bewältigen in den drei kurzen Tagen. Es ist nicht ganz einfach, mit den richtigen, wichtigen Leuten ins Gespräch zu kommen. Deren Messepräsenz ist ausgelastet. Der Besucher macht es sich leichter, wenn er eine klare Strategie und bewältigbare Ziele vorbereitet hat. Auf den Tischen der einzelnen Aussteller stehen denn auch weniger Cognacschwenker als Kaffeetassen. Papiere flattern, Bestelllisten, Prospekte, Verkaufsstudien liegen neben Taschenrechnern und ewig schreibt der Montblanc. Alles raucht. Gross ist die Messe und sie brummt. Man kann sich darin verlieren.
Der Info-Marathon
Wenn einer nun, ohne Umsatzzwang, vor allem aus Neugier und mit ein wenig Fachwissen ausgestattet, durch die verschiedenen Hallen spaziert, hat er Zeit, sich ein Bild zu machen. Die grosse, bunte Welt der Accessoires ist ausgiebig vertreten. Vom Feuerzeug zum Aschenbecher über die Wasserpfeife zu den Humidoren, von dort rechtsum kehrt in den einschlägigen Magazinen geblättert, die Auswahl an Zigarettenpapierchen bestaunt, inklusive die bereits vorgefertigten Jointformate und dann ist man, Gott sei Dank, vor dem Essstand mit den ausgezeichneten Brötchen mit heissem, westfälischem Schinken und gönnt sich einen Imbiss.
Danach geht die Tour weiter, man besucht die grossen Ausstellerstände der Zigarettenmacher, die eleganten der Pfeifenbauer, via Zigarillos und Shortfillers kreist man nach und nach die Königin der Tabakbranche ein, die Premium-Longfiller-Zigarre. Diese edlen Rauchwerke werden nach wie vorhandgerollt, und es gab nicht nur einen Roller an der Intertabac, welcher den Zuschauern seine Kunst vorführte. Jetzt zeigt sich nun, verteilt in den verschiedenen Hallen, die ganze Bandbreite des Angebotes für den Aficionado. Schön ist es jetzt, sich etwas Zeit zu nehmen und die diversen Produzenten, Hersteller und Anbieter zu besuchen.
Tatsächlich sind den Variationen und Kreationen kaum Grenzen gesetzt. Aus allen Himmelsrichtungen werden Zigarren nach Dortmund gebracht und hier von Liebhabern und Kennern berochen, betastet und geraucht. Die grossen Namen und Marken sind alle da. Daneben die edlen, kleineren Brands, die mal eingebettet sind in das Angebot der grossen Importeure oder zum Entdecken einen kleineren Stand führen. Zum Teil unbekannte, neue Namen sind oft begleitet von ihren Vätern und Müttern, die mit Herzblut und Verve ihre Produkte repräsentieren. Die Qualität der angebotenen Waren reicht von gut bis sehr gut, bis hin zu ausgezeichnet. Die Begeisterung der Macher überträgt sich auf den Besucher. Wir werden im Cigar regelmässig in unseren Tastings auf solche Entdeckungen hinweisen.
Nichts gegen die «Grossen» der Branche. Auch sie haben keinen Aufwand gescheut, ihre neuesten Kreationen an der Intertabac dem Fachpublikum zu präsentieren. Ein Trend zur Puro scheint sich abzuzeichnen. Aus Brasilien, aus der Dominikanischen Republik, aus Nicaragua, von den kanarischen Inseln und aus Honduras kommen wunderbare Zigarren, deren Blend im eigenen Land gemacht wurde. Erwähnen wollen wir bei dieser Gelegenheit die deutsche Puro, die Geudertheimer Cigarillo, aus Tabaken aus der Pfalz und dem badischen Raum.
We are Family
An der Intertabac werden nicht nur Geschäfte gemacht, es werden auch Feste gefeiert. Die Verbindungen werden vertieft, alte Bekanntschaften erneuert, neue aufgebaut. Musik, Tanz und geselliges Zusammensein ist Teil der 32-jährigen Geschichte der Messe. Einer der Höhepunkte ist der Verleih der Cigar Trophy an der Get Together Party des ersten Abends. Die vom Falstaff Verlag in Wien und dem European Cigar Journal ausgerichtete Auszeichnung umfasst nicht weniger als acht Kategorien und daraus hervorgehend 18 verschiedene Auszeichnungen. Hier sei nur eine erwähnt.
Benjamin F. Menendez, Senior Vice President von General Cigars, einer der letzten «alten» Kubaner, wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Dagegen geht die Verleihung der Intertabac Stars leider etwas unter.
Ein anderer Höhepunkt war die Einladung des wohl bekanntesten europäischen Vertreters der Tabakkultur auf seinem Stand. Seit hundert Jahren ist die Schweizer Unternehmerfamilie Villiger in Deutschland präsent und in diesem Jahr feierte Heinrich Villiger,
Inhaber und Gallionsfigur des legendären Tabakunternehmens seinen 80. Geburtstag. Er war denn auch persönlich anwesend, als sich männiglich am späteren Abend auf der Ausstellungsfläche der Villiger und Söhne traf. Er agierte als perfekter und liebenswürdiger Gastgeber, während eine kubanische Sängerin Boleros und Salsas zum Besten gab, Kellner mit Häppchen und Getränken die zahlreichen Gäste bedienten und man sich eine 1888er gönnte.
Die Intertabac konnte ihren Ruf als eine der wichtigsten Drehscheiben des Tabaks und des Handels mit diesem uralten Kulturgut nicht nur behaupten, sondern ausbauen und erweitern. Das Geschäft läuft weit besser, als die Antitabaklobby es sich wünschen würde. DieUmsätze steigen, die Qualität und Vielfalt ist noch weiter ausgebaut. Nun ja, der Marlboro-Mann ist vielleicht ein Auslaufmodell, der Tabak ist es nicht.
Ausgabe 4/2010
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