Worst-case-Väter
Okay, es gibt auch viele Väter-verherrlichungs-Songs. Doch oft genug lassen Musiker ihre Väter sehr, sehr schlecht aussehen. Der Facettenreichtum der in
Musik beschriebenen Vatertypen ist – insbesondere in der alternativen Szene – erstaunlich und erschütternd. Hier der Countdown der miesesten Väter der Musikgeschichte:
10. Im Song «Cat’s in the Cradle» von Harry Chapin geht es noch um die verhältnismässig harmlose väterliche Vernachlässigung. Was das Ganze sehr deprimierend macht, ist der Kreislauf. Da wünscht sich ein Sohn ein Leben lang vergebens, der Vater würde sich etwas Zeit für ihn nehmen, und als sich dann der Vater im Alter danach sehnt, der Sohn möge eine Weile mit ihm sitzen und plaudern, hat der Sohn kein Interesse mehr.
9. In «2000 Man» besingen die Rolling Stones ein stereotypes Vaterbild: jenes von dem, der lieber mit seinen Spielzeugen für die Grossen spielt als mit seinen Kindern. Das Auto ist wichtiger als das Kind, und er verbringt Stunden mit dem neuesten technischen Schnickschnack.
8. Einen völlig anderen Missstand thematisiert Andrew Gold in «Lonely Boy». Der Song erzählt die Geschichte von erdrückender Vaterliebe. Der Beste sei er, der Einzige, der Stärkste – wer das in der «richtigen Welt» nicht so sieht, verdient Prügel.
7. Der überforderte Vater resigniert in Van Halens «And the Cradle Will Rock», und Junior gerät ausser Rand und Band. Die Schule interessiert ihn null, stattdessen wendet er sich dem Verbrechen zu. Der Sohn haut ab, hängt ab und stürzt ab.
6. Ein ganz mieses Vater-Exemplar steht im Zentrum von Bruce Springsteens erstem Hit «Hungry Heart». In
der Ich-Form schildert er dieses Szenario: «Liebling, ich geh mal eben kurz weg» – und ward nimmer wieder gesehen. Seiner Vaterpflichten entledigt, lässt er sich treiben – in einem Meer von Selbstmitleid, da er ja seine geliebte Familie verloren hatte.
5. Die Verdrängungshymne: «No Thugs in Our House». Die britische Band XTC porträtiert eine Thatcher-Ära-Familie, in der man nicht wahrhaben will, dass der Sohn ein Bier
trinkender Tunichtgut ist, der regelmässig asiatische Einwanderer verprügelt. Zum Glück ist der Papi Richter – und
so bleibt die Weste des guten Jungen blütenweiss.
4. Bei Nick Cave & the Bad Seeds artet die Lage völlig aus. «Papa Won’t Leave You, Henry» ist der Titel dieser Episode, wobei klar ist, das Papa Henry einen Gefallen täte, wenn er sich verdünnisierte. Denn er ist ein denkbar schlechtes Vorbild. Jahre der Gewalt und Erniedrigung kulminieren in einem Blutbad in einem Bordell.
3. In «I Don’t Wanna Go Down to the Basement» beschreiben die Ramones jenen Jungen, der Angst hat, in den Keller zu gehen, und den Vater, der ihn trotzdem dazu zwingt.
2. «Dad» von NoMeansNo beschreibt auf so drastische Weise Missbrauch und häusliche Gewalt durch
einen Vater, dass man als Elternteil nur noch nach Hause rennen und seine
Kinder für immer und immer in die
Arme nehmen will.
1. Ein matter, leerer Blick, ein verstummter Vater, der bestialisch mordet. Schlimmer als im Lied «Country Death Song» der Violent Femmes kann es nicht mehr kommen. Nicht für die Gesellschaft und vor allem nicht für die Kinder dieses Monsters.
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