Davidoff: Das Jahrhundert ist voll

Es braucht seine Zeit, bis etwas – sei es ein Mensch oder eine Geschichte – das schmückende Beiwort «legendär» mit Recht tragen darf. Im vorliegenden Fall hat es seine Berechtigung.

David Höner

Unter Zigarrenliebhabern ist der Name Davidoff legendär. Die damit verbundenen Geschichten sind, durch stetiges Weitererzählen, geniesserisches Ausschmücken und freudiges Wiederholen, vollends in den Stand der Legende erhoben worden. Zu einer Legende gehört auch ein ehrwürdiges Alter. Auch diese Vorgabe ist bei dem Stammhaus aller Davidoff ’schen Zigarrenläde perfekt erfüllt. Seit just 100 Jahren werden unter diesem Namen in Genf Tabakwaren und Accessoires verkauft.

Die Familie flüchtete aus einem kleinen Ort in der Nähe von Kiew. Dort war die jüdische Gemeinschaft, von Pogromen und politischen Unruhen bedroht, ihres Lebens nicht mehr sicher gewesen. 1911 eröffnete Henri Davidoff in Genf sein Geschäft. Niemand ahnte damals, dass damit der Grundstein eines weltweiten Imperiums gelegt wurde.

Am Anfang standen die in Heimarbeit selbstgedrehten Zigaretten mit Goldmundstück. Der kleine Sohn drehte fleissig mit und wuchs, umgeben von legendären Gestalten wie Lenin und anderen russischen Emigranten, in diesem Umfeld auf. Ebendieser Sohn war es, der den Namen Davidoff später mit Begeisterung und Stil in die weite Welt hinaustragen würde.

Während der Vater weiterhin Zigaretten drehte und damit das Geschäft und die Familie ernährte, reiste der junge Zino dem Tabak nach. Natürlich war Kuba eine längere Zwischenstation, und als er 1930 nach Genf zurückkehrte, war Zino nicht nur ein bestausgewiesener Fachmann, sondern auch voller innovativer Ideen und jugendlichem Tatendrang. Beinahe sofort wurde das Sortiment des Ladens um eine Zigarrenabteilung erweitert. Ein spezieller Keller mit kontrollierter Luftfeuchtigkeit und Temperatur war der Vorläufer der heutigen, begehbaren Humidore.

Der Zweite Weltkrieg führte dazu, dass die kubanischen Händler in Paris ihre Zigarrenvorräte an den Genfer Geschäftsmann verkauften. Bald war es so, dass Davidoff in Europa der Einzige war, der noch echte «Cigares de la Havane» anbieten konnte. Ein Pilgerort für Aficionados. Diese Beziehungen zu den kubanischen Händlern und Produzenten blieben über viele Jahre erhalten. In den Siebzigern entstanden die ersten Davidoff-Zigarren in Kuba. Kunst und Lebensart des rauchenden Connaisseurs manifestierten sich auch im «Cigarren-Brevier», welches erstmals 1967 erschien und heute zu den Standardwerken zum Thema gehört.

1994 starb der grosse Mann des blauen Dunstes, beliebt und hochgeschätzt, mit 88 Jahren in Genf. Sein Lebenswerk, er hatte bereits frühzeitig seine Nachfolge geregelt, wurde von der Basler Firma Oettiger weitergeführt. Heute sind es weltweit mehr als 60 «Davidoff Flagship Stores», die seine Philosophie und die Kunst des Rauchens weltweit vertreten.

Zum Jubiläum gehört auch eine Zigarre. Geraucht haben wir sie bisher noch nicht. Sie wird, in limitierter Auflage, ab Juni in Genf und ab August weltweit erhältlich sein.

Ausgabe 2/2011

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