IPCPR: Das grosse amerikanische Tabakspektakel

Die 79. amerikanische Tabakfachmesse wird für Cigar kommentiert von Barry Stein. Barry wird auch in Zukunft für uns aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten berichten. Er ist Initiant und Betreiber einer der meistgelesenen Internetplattformen und ein Kenner der Szene, der Zigarren und des Kampfes der US-Raucher um die letzten verbleibenden Freiräume der Freunde des Tabakgenusses.

Inmitten der erbarmungslosen Wüste befindet sich die berühmtberüchtigte Sündenstadt Las Vegas. Millionen Besucher pilgern jährlich zu den Shows, den Spielen und Partys. Deshalb hat sich auch das Motto «Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas» unter den Eingeweihten etabliert. Im vergangenen Juli haben sich über 1000 Einzelhandelsgeschäfte und 5000 Tabakwarenliebhaber zur jährlichen Internationalen Zigarren- und Pfeifenmesse (International Premium Cigars & Pipe Retailers – IPCPR) in Vegas eingefunden.

Die IPCPR kämpft schon das ganze Jahr für die Rechte der Händler und Raucher. Die USA verhängten immer mehr Rauchverbote und erheben Steuern in horrendem Masse. Neueste Gesetze verbieten das Rauchen an öffentlichen Stränden und, in einer kleinen Ortschaft, sogar im eigenen Garten. Die Ausstellung informiert die Händler auch über den Kampf gegen das Rauchverbot, doch vor allem über neue Produkte, welche auf den Markt kommen.

Die Ausstellung hat im Sands Expo&Convention Center, Venetian Hotel & Casino stattgefunden und begann mit einem Seminar über Sozialmarketing. Viele Zigarrenshops, Wiederverkäufer, Verbraucher und Herstellerfirmen kommunizieren mittlerweile auf Twitter und Facebook. Die Informationsflut, welche sich in Echtzeit in Windeseile fortbewegt, hat die Branche grundlegend verändert, auch die Fachmesse hat sich dadurch beeinflussen lassen.

Die Tage, wo ein neues Produkt exklusiv während der Messe lanciert wurde, sind vorbei, denn diese Information ist unter diversen Bloggern schon längst online. Die Show-Highlights können nun auch im Netz eingelesen werden, ohne dass man als Besucher effektiv dabei sein muss. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass der Nutzen einer Messe ernsthaft in Frage gestellt wird. Jon Huber, ehemaliger Marketingleiter der CAO, welcher bald seine eigene Marke Crowned Heads auf den Markt bringt, ist scheinbar derselben Meinung: «Während die IPCPR eine grosse Chance darstellt, werden ausserhalb der IPCPR immer mehr neue Marken lanciert, Formen entwickelt und limitierte Produkte auf den Markt gebracht. Die an Bedeutung gewinnenden sozialen Netzwerke und die wachsende Zigarren-Blog-Community haben es den Herstellern ermöglicht, ihre Informationen auf sehr zeit- und kosteneffiziente Weise zu verbreiten. Trotzdem denke ich, dass die IPCPR ein hervorragender Treffpunkt für den Verbraucher und den Handel bleibt», so Huber, der seine Zigarre diesen November in den USA lancieren wird, bevor er in nächster Zukunft den europäischen Markt erkunden will.

Am späten Nachmittag hat José Blanco ein Zigarrentasting-Seminar für La Aurora Cigars gehalten, seine letzte offizielle Tätigkeit für die Firma, wo er die letzten 30 Jahre seines Lebens verbracht hat. Der ehemalige Vizepräsident sprach mit hunderten von Teilnehmern über die Bedeutung des Zigarrendeckblatts und die Aromennuancen, welche sich mit den Noten / Geschmäckern einer Zigarre entwickeln. Nach dem Tasting erwartete die IPCPR-Teilnehmenden eine Willkommensparty mit einem reichlichen Foodangebot, die bis spät in die Nacht ging. Die Details würde ich ja gerne mit Ihnen teilen, aber eben, was in Vegas passiert, bleibt in Vegas …

Am zweiten Veranstaltungstag wurde die Fachausstellung eröffnet und wir trafen in der Warteschlange Jack Sweeny von Primo Cigar Shop in Santa Fe, New Mexico, der uns erklärt: «Die Messe ermöglicht uns Wiederverkäufern, neue Produkte in einem gesamtwirtschaftlichen Umfeld zu entdecken, ohne einzelne Unternehmen aufsuchen zu müssen. Hier profitieren wir von Rabatten, erhalten Lieferinformationen und können uns mit anderen Händlern austauschen.»

Um 10 Uhr öffneten die Tore und die Händler machten schnell diejenigen Produzenten aus, welche für ihre Geschäfte in Frage kommen; bald herrschte an den Ständen Grossandrang und die Bestellungen gingen zahlreich über die Theke.

Laut zahlreichen Stammausstellern bringt ihnen die Fachausstellung 10 Prozent der jährlichen Geschäftseinnahmen. Man war sich einig, dass die diesjährige Messe weitaus produktiver war als die letztjährige, welche in New Orleans, Louisiana, stattgefunden hatte.

Hier einige Highlights:
Davidoff of Geneva wurde für ihren vertikalen Humidorstand als bester Aussteller ausgezeichnet. Die Firma wird die Avo 787 wieder einführen und die Davidoff Limited Edition 2011 lancieren. Letztere wird White Edition genannt und erscheint in einer weiss lackierten Box.
Drew Estate, welche letztes Jahr den Titel Beste Zigarre der Messe gewonnen hatte, konnte dieses Jahr wieder punkten, obwohl sie heuer nicht von der Jury aufgestellt wurde. Der mit einem gepimpten Auto ausgestattete Stand wartete mit einer grossen Auswahl an neuen Produkten auf. Inhaber Jonathan Drew präsentierte die neue Undercrown-Zigarre, die Liga Privada L40 sowie die klassische Zigarrenlinie. Eine frühe Prognose der Wiederverkäufer sah schon grosse Verkäufe voraus. Drew Estate begann 1980 mit einem kleinen Verkaufswagen im World Trade Center und ist heute eine der grössten Zigarrenverkäufer der USA.
EP Carillo von Ernesto Perez Carillo, welcher hinter dem Namen La Gloria Cubana steht, hat sich mit seinem Unternehmen in der Zigarrenwelt etabliert. Neu sind dieses Jahr die Limited Edition 2011 Dark Rituals und die Elancos- und Maduro-Linien. Carillo führt das Unternehmen zusammen mit seiner Tochter und seinem Sohn in Miami, Florida.
Asthon Cigars hat ihre beiden Serien San Cristobal und VSG ausgebaut. Die neue von My Father Cigar in Nicaragua hergestellte San Cristobal heisst Elegancious. Die VSG kommt in einer neuen Grösse 5x54 daher und heisst Pegasus.
Die Firma Quesada, welche kürzlich mit der hochstehenden Quesada España in Spanien grosse Erfolge feierte, wird eine neue Zigarre namens Oktoberfest auf den amerikanischen Markt bringen. Eine der Grössen wird in 6x65-Ausführung erscheinen. Grosse Durchmesser sind in den USA sehr verbreitet, während man in Europa kleinere Masse vorzieht.
Miami Cigar, welche La Aurora amerikaweit vertreibt, verzeichnete den grössten Erfolg an der Messe. Die beiden Firmen bringen zusammen 11 neue Zigarren heraus. Miami Cigar machte mit Casa Miranda (Mischung von Willy Herrera in Calle Ocho in Miami) und Limited Reserve Furore. La Aurora perfektioniert ihre berühmte 107 mit der 107 Maduro. Zudem wird die neue Puro Vintage auf den Markt gebracht, welche mit Tabak aus der 2004-Ernte hergestellt wurde.
Tatuaje Cigars lanciert eine Serie neuer Zigarren der My Father Cigar Factory, sie enthält Fausto, La Casita Criolla und Avion. Einige davon werden während der Dortmunder Intertabak im September 2011 auf dem europäischen Markt vorgestellt.
My Father Cigar Company – die Zigarrenfabrik ist in Nicaragua stationiert und produziert unter der Leitung von Jaime Garcia zahlreiche Marken für diverse Firmen. Der angesagte Produzent präsentiert die Jaime Garcia Limited Edition, die Box enthält 16 Culebras. Die 16. Zigarre in der Box ist mit einem Connecticut-Shade-Deckblatt umhüllt statt, wie die anderen, mit einem Connecticut Broadleaf.

Während der IPCPR wurden 170 neue Zigarren vorgestellt.
Der IPCPR-Präsident Chris McCalla schloss mit den Worten: «Sie haben hier Lebendigkeit und Spannung erlebt. Optimistisch und positiv. Die Rezession ist zwar noch lange nicht gebannt, aber hoffentlich bedeutet diese Messe einen kleinen Aufschwung für unsere Wirtschaft. Wir sind sicher noch nicht über dem Berg, aber vielleicht ist das ein positives Zeichen, dass die Zukunft uns allen wohl gesinnt ist. Für unsere europäischen Freunde ist das DIE MESSE. Die grösste Ausstellung der Welt wird von den besten Produzenten, Lieferanten und Wiederverkäufern von erstklassigen Tabakwaren repräsentiert.» Die nächste IPCPR findet 2012 in Orlando, Florida, statt. 



Anmerkung der Redaktion Cigar: Die Zigarren, welche an der IPCPR in Las Vegas vorgestellt wurden, können fast ausnahmslos über den Internethandel bestellt werden. In unsere Fachgeschäfte werden aber nur einige ausgesuchte Marken ihren Weg finden. Trotzdem haben wir beschlossen, auch die zurzeit nicht im europäischen Fachhandel vertriebenen Neuheiten zu publizieren, wirft es doch auch ein Licht auf die Vielfalt und Innovation der amerikanischen Hersteller und Vertreiber.

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Ausgabe 3/2011

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