Family Business

Eines der bekanntesten Tabakgeschäfte der Welt dürfte Nat Shermans Laden in der 42nd Street im Herzen des «Big Apple» sein. Für den Raucher, der sich in New York aufhält, ist der Besuch dieses Traditionsgeschäftes ein «Must». Historisches und Heutiges aus den USA.

Barry Stein

Man sagt, die Geschichte wiederholt sich. Anhand der Geburt Nat Shermans in den 1930ern kann man eine gewisse Ähnlichkeit zwischen jenen Tagen und heute tatsächlich erkennen. Die Vereinigten Staaten durchlebten dazumal die Probleme der nahen Weltwirtschaftskrise und die Prohibi­tion ging gerade zu Ende.

Heute, im Jahr 2011, können wir eine ähnliche Situation feststellen: Wir befinden uns mitten in einer Wirtschafts­krise. Und Anti-Raucher-Kampagnen führen beinahe zu einer weiteren Prohibition. Behält die Food and Drug Administration (Zulassungsbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel) weiter ihren restriktiven Kurs bei, sind die Tage der begehbaren Humidore in den USA gezählt.

Nat Sherman begab sich damals auf eine 80-jährige Abenteuerreise und prägt die Tabakgesellschaft mit seiner Erfolgsgeschichte bis heute.

Die Firma wurde von Nat Sherman und Charles Baer, Inhaber der Epoca Cigar Factory, gegründet. Der Ursprung des Unternehmens war ein Tabakladen im Herzen des New Yorker Garment Districts. Die Partnerschaft dauerte allerdings nicht lange und die Firma kam in alleinigen Besitz der Familie Sherman. Damals wie heute ist das Geschäft ein Aushängeschild des Quartiers. Stars der Modeszene, Businessleute und Gangster gaben sich die Klinke in die Hand. Das Geschäft wurde so berühmt, dass rivalisierende Gruppen hier auf neutralem Boden ihre Zigarren zusammen geniessen konnten und somit die friedenstiftende Macht einer guten Zigarre demonstrierten. Schon zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Europa brachte das Familienunternehmen die erste Zigarrenlinie mit dem Namen Nat Sherman auf den Markt. Die Zigarren wurden in Tampa, Florida, produziert, einst Welthauptstadt der Zigarre. Der Tabak stammte aus Kuba und Nordamerika.

Während der 40er-Jahre, als der  Zweite Weltkrieg sich ausbreitete, kam Shermans erster Sohn, Joel Sherman, zur Welt, der heutige Präsident und CEO der Firma. Als die US-Amerikaner eingezogen wurden, brachte Nat Sherman als ausgebildeter Zivildienstleiter militärischen Drill in das Unternehmen. Gegen Kriegsende trat Sherman, auf Nachfrage eines Kunden, welchem das Zigarrenrauchen auf dem Flug von New York nach Texas verboten wurde, in den Zigarettenmarkt ein. Der Kunde wünschte eine Zigarette mit Zigarrengeschmack. Der erste Schritt in diese Richtung war getan und die Havana 149 war geboren, eine ovale Zigarette aus kubanischem Tabak. Kurze Zeit später wurde die Cigarettello eingeführt, welche als erste 100-mm-Zigarette mit braunem Maduroblatt verkauft wurde.

Die 50er-Jahre boomten in den Staaten, und so auch das Unternehmen Nat Sherman. Das Zigarettengeschäft begann mit der berühmten Fantasia, welche bis heute auf dem Markt erhältlich ist. Die Zigaretten kamen in farbigen Deckblättern daher und enthielten amerikanischen statt kubanischen Tabak. Derweil gewann die Cigarettello unerwartet immer mehr an Beliebtheit in Hollywoodkreisen. Das Zigarrengeschäft lief immer besser, die Firma war auch eine, der drei autorisierten Grosshändler von kubanischen Zigarren östlich des Mississippi. Exklusiv vertrieben sie Bolivar-Zigarren. Dank der grossen Auswahl fand jeder Aficionado garantiert seine Lieblingstabaksorte. Auch heute noch ist das Unternehmen im Besitz von Hunderten während der 50er-Jahre gerollten kubanischen Zigarren, im weltweit grössten Zigarrenlager. Während jenem Jahrzehnt stieg auch Joel Sherman ins Familiengeschäft ein.

Die 60er-Jahre waren geprägt von politischen Attentaten, dem Vietnam-Krieg und der Hippiezeit. Joel Sherman brachte frischen Wind in die Firma und mit William, Michelle und Larry, die alle heute im Familienunternehmen tätig sind, wurde die dritte Sherman-Generation geboren. Aufgrund des US-Embargos gegen Kuba begann die Firma sich auf den Zigarettenmarkt zu konzentrieren. Um die Unternehmensstabilität zu erhalten, versuchte Nat Sherman sich in der Produktion eigener Zigaretten. Währenddessen versuchte man die kubanische Zigarre auf den Kanarischen Inseln zu reproduzieren. Das Vorhaben scheiterte und der karibische Tabak sah seine Chance gekommen. «Wir entdeckten eine brandneue Tabak­art, angenehmer im Geschmack und mit vielfältigeren Aromen, für eine breitere Raucherkundschaft», erklärt Joel Sherman. «Auch das Rauchverhalten hat sich verändert, der Aficionado tendiert nun eher zum Genuss, statt zum Gewohnheitsrauchen.»

1976 zog die Firma in die Fifth Avenue um, in die Nähe des Central Parks. In den 80er-Jahren erlebte die Tabakindustrie einen Boom. Die Wall Street produzierte Millionäre im Stundentakt und die Zigarre wurde zum Luxusobjekt. Die Firma hatte eine Kundenkartei von über sechs Millionen Rauchern aufzuweisen und begann den Markt in Kanada, Asien und Europa zu bedienen.

1990, nach dem Tod seines Vaters, übernahm Joel Sherman das Unternehmen, und auch seine Kinder traten ins Geschäft ein. Ein dritter Umzug brachte Nat Sherman ins 700 Quadratmeter grosse Raucherparadies im Zentrum Manhattans, hier war nun DER Raucherplatz.

Anfang des 21. Jahrhunderts zieht der Laden in ein schickes Stadthaus in Manhattan, gegenüber der Grand Central Station, der schmucke Bau ist einzigartig in der 42. Strasse. Trotzdem laufen die lokalen Geschäfte nicht sehr gut, denn es werden drakonische Strafen verhängt, um den Tabakgenuss zu bekämpfen. Neueste Gesetze verbieten es nun sogar, in öffentlichen Parks oder an Stränden zu rauchen. Tabakhändler müssen erfinderisch werden und ihre Verkaufsläden zu einem Ort umdisponieren, wo man Zigarren nicht nur kaufen, sondern auch gleich geniessen kann.

Pat Felitti, erfolgreicher Betreiber eines örtlichen Steakhouses, wird mit einer neuen Position betraut: Leiter für Verkauf und Bewirtung. Die Hauptverkaufsfläche wird vergrössert und mit eleganten Clubsesseln ausgestattet. So entsteht eine gemütliche Lounge, ein begehbarer Humidor, wo die Raucher entspannt und unter Gleichgesinnten sind. Dank Felitti wird das Geschäft zu einer einzigartigen Tabakoase.

Die Familie Sherman weiss, dass dies nur ein kleiner Schritt in Richtung eines zeitgemässen Auftritts ist und stellt im gleichen Jahr Michael Herklots, ehemaliger Generaldirektor von Davidoff in New York, als Geschäftsführer für Verkauf und Product Development ein. Er soll mit seinen Erfahrungen als Tobacconist den Zigarrenverkauf fördern. «Nat Sherman gibt es zwar seit 1930, unser Ziel ist es nun, der Zigarre mehr Bedeutung zu schenken», so Herklots. Als Erstes wird hierfür eine neue Zigarre mit der Timeless Collection auf den Markt gebracht. Die Kollektion erinnert an das zeitlose Image der Firma, die Zigarrenbanderole ist eine Hommage an den Art-Deco-Stil der 30er-Jahre.

Die Zigarren wurden an der letzten IPCPR-Ausstellung in Las Vegas vorgestellt, vier dominikanische und drei
nicaraguanische Mischungen. Die Zigarren werden von der Manufactura de Tabacos (MATASA) hergestellt.

Die Zigarren sind bis Ende Jahr in vier Grössen erhältlich (Robusto, 5,5” x 54, Churchill-7” x  48, Nr. 5-3.75” x  43, Nr. 2-6.25” x  52).

Das Team Felitti-Herklots beginnt auch ausserhalb des Ladengeschäfts zu agieren, zum Beispiel als Sponsor für das jährliche Emmeril-Lagasse-Golf-Classic-Turnier im Newport Country Club in Newport, Rhode Island.
Mit innovativen Geschäftsideen und Herzblut wird das Nat-Sherman-Unternehmen mühelos weiterhin seinen Erfolg im Tabakmarkt behaupten, sowohl in den Staaten als auch weltweit.

Nat Sherman International
12 East 42nd Street, New York, NY 10017
http://natsherman.com

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