Eine Zigarre für Henry Ford, Thomas Marshall und Steve Jobs
«Du kannst sie zitieren, du kannst ihnen widersprechen, du kannst sie verherrlichen oder verteufeln, nur eines kannst du nicht tun: Sie ignorieren – denn sie verändern Dinge. Sie bringen die Menschen nach vorne. Diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, tun es auch.»
Steve Jobs über Erfinder
Im Jahre 1919 liess Thomas Marshall, US-Vizepräsident unter Woodrow Wilson, im Senat verlauten: «Was dieses Land wirklich braucht, ist eine gute 5-Cent-Cigarre.» Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass Erfolg, Kreativität und Selbstbewusstsein durch den Dunst von feinem Tabak gefördert werden und nicht durch Statussymbole und dicke Zigarrenringe. Henry Ford, der Erfinder der legendären Tin Lizzy, dem Ford-T-Modell, dem ersten Auto, das am Fliessband ge-baut wurde, war ähnlicher Meinung, denn er war sich sicher: «Ein vernünftiges Auto soll seinen Besitzer überallhin transportieren – ausser auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten.» So rauchte Henry Ford sein Leben lang Zigarren, aber nicht die teuersten, sondern einfach gute. Seine Visionen waren immer geprägt davon, Abläufe seinem Perfektionismus anzugleichen, dem Drang, Form und Funktion zu verbinden und der Erkenntnis, dass Werbung in der Marktwirtschaft eine unverzichtbare Handhabe ist, um Erfolg zu generieren. Am 7. April 1947 starb Henry Ford 83-jährig in Dearborn, Michigan. Sogar wer wirbt, stirbt leider auch. Henry Ford verwendete sein halbes Leben damit, den Menschen Gutes zu tun, zu erfinden und zu optimieren und Autos zu bauen, die sich der Durchschnittsverdiener leisten konnte. «ich will, dass meine Arbeiter gut bezahlt werden, damit sie meine Autos kaufen», ist einer seiner wahrscheinlich ehrlichsten Aussprüche.
Er war der Steve Jobs des Übergangs vom 19. zum 20. Jahrhundert. Henry Ford schenkte der nachwelt hunderte Zitate die fast alle denselben Kontext haben: Mut, Kraft, Weisheit und Visionen. Diese gesunden Grundeinstellungen von Menschen wie Jobs, Marshall und Ford brauchen wir heute, um zuversichtlich in die Zukunft zu sehen und um auch sagen zu können: «Es hängt von dir ab, ob du das neue Jahr als Bremse oder als Motor benutzen willst.» Was seine Mitmenschen und Angestellten, wählte Ford nach eigenen Kriterien aus: «Es ist mir gleichgültig, ob einer aus Sing Sing kommt oder von Harvard, ich suche Menschen, nicht Biografien.»
Weise Worte, wo man hinsieht. Man könnte an dieser Stelle noch dutzende Aussprüche zitieren, die uns alle für einen Moment ein wenig weiser und stärker in die Zukunft sehen lassen, aber sehen wir uns diese Menschen noch etwas näher an, bevor wir ihnen vorbehaltlos ihre geflügelten Worte und schönen Weisheiten glauben. Steve Jobs war Choleriker, nach Aussagen seiner Mitarbeiter oft unausstehlich und hat Menschen regelmässig bedingungslos an die Grenzen ihrer Kreativität gebracht. Ein kaltschnäuziges Zitat dazu: «Mein Job ist es nicht, mit Leuten gut auszukommen. Mein Job ist es, sie besser zu machen.» Thomas Marshall wurde vom Time-Magazin in die Liste der «10 Worst Vice Presidents» gewählt, mit der Begründung, er wäre lustlos und verantwortungsscheu gewesen und hätte sich während Kabinettssitzungen regelmässig zurückgezogen, um in einem seiner Büros die Füsse hochzulegen und zu rauchen. Einem seiner Bodyguards verriet Marshall, er habe einen sinnlosen Job, denn niemand würde jemals einen Vizepräsidenten erschiessen. Und als Präsident Wilson nach dem Ersten Weltkrieg längere Zeit nach Europa rei-sen musste, willigte Marshall widerwillig ein, ihn zu vertreten, lehnte aber jede Verantwortung ab für Geschehnisse während Wilsons Abwesenheit.
Henry Ford war Visionär, Erfinder und Antisemit. Er veröffentlichte regelmässig Hetzartikel in seiner Zeitschrift, dem Dearborn independent. Er beschäftigte sich mit Verschwörungstheorien und versuchte Dokumente über Pogrome zu fälschen und zu verharmlosen. Ob er deshalb die deutschen nationalsozialisten mit Lastwagen und Kettenfahrzeugen belieferte oder ob das eine reine kaufmännische Entscheidung war, sei dahingestellt. Jedenfalls hing ein Bild von ihm in der nSDAP-Parteizentrale und 1938 wurde Ford als erster Grund, und gerade Geschenke in Form von weisen Worten sind erstens günstig und zweitens sind die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit kaum zu überprüfen.
Und insofern hat sich auch David Kalisch geirrt, denn: «Wo man raucht, da kannst du ruhig harren, böse Menschen haben nie Zigarren», ist wohlgemeint und versöhnlich, aber leider auch falsch. richtig ist aber, dass alle Menschen, ob gut oder böse oder jede Art von Mischform, Zigarre rauchen dürfen müssen! Gleiches recht gilt für alle. Und deshalb brauchen wir heute gute Zigarren, sagen wir für fünf Euro, die sich alle leisten können. Die geizigen Bösen und die armen Guten und alle dazwischen, ob sie sich nun bemühen, gut oder weniger böse zu sein. Ebenso wie die, die in Kauf nehmen, böser zu sein, als sie müssten, und die, die weniger gut sind, als sie es sein könnten. So können alle beim Rauchen darüber nachdenken, wo die Geschenke und Weisheiten, die Erkenntnisse und Taten hingehen, die sie ihren nächsten machen!
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