Memo: Musik als Geschenk

Yvonne Kunz

Was für das Schenken von Parfüm, Wein und  Zigarren gilt, auch für Musik: Höchste Vorsicht ist geboten. Insbesondere in der romantischen Frühphase einer Beziehung mit einem Musikliebhaber. Wer nicht sehr genau weiss, wem er wann, warum und was schenkt, sollte tunlichst die Hände davon lassen. Andernfalls drohen Momente akuter Peinlichkeit, wenn nicht gar ein zwischenmenschlicher Totalschaden.

Schenkt ein Durchschnittshörer seiner Angebeteten Mozart – «etwas Klassisches» – obwohl diese eigentlich auf 12-Ton-Musik steht, beweist er Oberflächlichkeit, die bei erster Gelegenheit in schnippischem Ton zu Desinteresse umgedeutet wird. Oder wenn die neue Flamme eines Jazz-Aficionados diesen mit einer CD in der Art von «Jazz for Cocktails», «Jazz for Dining» oder, noch schauderhafter, «Jazz for Lovers» überrascht, riskiert sie ein frühzeitiges Liebesaus. Es sei denn, sie kocht auf 18-Sterne-Niveau und ist eine sagenhaft gute Liebhaberin. Dann besteht die Chance, dass des Jazzers Sinne so vernebelt sind, dass er auch zur seelenlosen Massenware selig mitwippt.

Doch in der Regel erholt sich ein Musik-Fan von einer derartigen Verkennung seiner Person nicht. Noch während des Auspackens wird er von grössten Zweifeln gepackt werden, ob sein Sweetheart charakterlich in Ordnung sei. Ringt er sich dazu durch, grosszügig über den Fauxpas hinweg­zusehen, begibt er sich aufs Glatteis.

Das Corpus Delicti alsbald diskret zu entsorgen, ist nicht ratsam. Dem Schenker wird’s garantiert auffallen. Und er wird dies seinerseits bei jedem Streit als Beweis für Charakterschwäche vorbringen. Verstaubt das «Geschenk» im Gestell, wird geschmollt: «Du hörst dir die CD ja gar nie an.» Will der Beschenkte weiteres Ungemach verhindern, kommt er nicht umhin, auf den «Play»-Knopf zu drücken. Dies wiederum könnte beim Musikliebhaber eine Panikreaktion auslösen, und er haut auf die «Stop»-Taste. Die der Beziehung allerdings. Ergo: Es ist ein Teufelskreis.
Nur wer fundierte Kenntnisse der Vorlieben des zu Beschenkenden hat sowie über eigenes vertieftes Sachwissen verfügt, darf es wagen. Eine Rarität in gutem Zustand, welcher der Schenker monatelang nachgejagt ist und er schliesslich auf E-Bay ersteigert hat, macht unwiderstehlich. Ein Beatles-Freak wird sich über das Boxset
«Digitally Remastered» nicht beklagen. Allerdings ist ein gewisses Budget Voraussetzung. Raritäten sind definitionsgemäss wertvoll, das Beatles-Boxset kostet 250 Franken. Noch teurer, aber immer ein Volltreffer: Konzerttickets mit Flug und Übernachtung in einer europäischen Hauptstadt.

Nur eine Form des Musikschenkens existiert jenseits jeglichen Banausentums und Snobismus: die selbst zusammengestellte Compilation. Damit zeigt jemand, dass er an den andern denkt. Dass er die Liebe lebt, sonst würde er sich nicht daran erinnern, welcher Song lief, als man sich in der Bar zum ersten Mal küsste. Es würde ihm kein Lied auffallen, das einen besonderen Moment passend beschreibt. Nicht mal der aktuelle Sommerhit ist verkehrt. 

Und jenen, die für einen Musik-Freak schwärmen, sei versichert: Wird man von dieser Spezies mit einer selbst arrangierten CD beehrt, ist es Liebe, denn die Musik ist die Liebe seines Lebens.

Cigarren-Datenbank

Über 500 Cigarren im Test

In jeder Ausgabe von «Cigar» werden aktuelle Cigarren getestet – finden Sie hier die wichtigsten Testergebnisse und Informationen zu den aktuellen Cigarren.

Suchen Sie nach einem Herkunftsland, einer Marke oder einem Format...


...oder geben Sie ein Stichwort für die Suche ein.

Aktion

Verpassen Sie kein «Cigar»

Wenn Sie das neuste «Cigar» jeweils prompt in Ihrem Briefkasten haben möchten und keine Ausgabe verpassen wollen, gibt's einen einfachen Trick - abonnieren Sie. Schon für 36 Franken beziehungsweise 28 Euro senden wir Ihnen das Lifestyle-Magazin ins Haus.

Abonnieren

Werben im «Cigar»

Ein Zielpublikum für Sie

«Man sollte immer erst eine Cigarre rauchen, ehe man die Welt umdreht», erklärte der deutsche Reichskanzler Otto Graf von Bismarck Werben Sie da, wo sich die Leute treffen, die an der Welt drehen.

Print Online