Locker Room: Politics for Dummies

Der Planet Erde wird jetzt mitgestaltet von einem sympathischen Gentleman, erfahren, weitsichtig, klug, bescheiden, elegant, mit einem feinen Humor und einer reizenden Frau an seiner Seite. Gewählt wird der neue Landesvater der USA wie jedes Mal am Montag nach dem zweiten Mittwoch im Dezember. Dieses Jahr erhält er 290 Stimmen. Mindestens. Merry Christmas and happy new years.

Text: Willi Näf, Illustration: Christos Georghiou - Fotolia.com

Anfang November haben die USA abgestimmt. 61 Millionen gaben ihre Stimme der Hexe von den Eseln. 60,3 Millionen gaben sie dem Mann von den Elefanten. Trotz weniger Stimmen dürfen nun er und seine reizende Frau das Weisse Haus geschmackvoll einrichten. Erstens weil nun mal nicht immer die Siegerin gewinnen kann. Öfter selten, meistens nie. Zweitens wählt nicht das Wahlvolk den Präsidenten, sondern die Wahlmenschen. Und von denen hat er 62 mehr als die Siegerin.

Wie das kommt, ist schnell erklärt. Maria Exemplo lebt unten im Gadsden County in Florida, ohne Ausbildung und Mann, aber mit Kids und Tieflohnjobs. Sie versteht wenig Englisch und nichts von Freihandel, ist gegen Waffen und für Gott. Jeweils sonntags ist auch Archie Type für Gott. An seiner Tankstelle im Herkimer County drei Autostunden nördlich von New York füllt er auch ­Afroamerikanern (selbst braucht er ­einen anderen Ausdruck für seine Mitbürger) den Tank, solange sie bezahlen, und schwulen Islamisten, solange er es nicht weiss. Archie ist gegen die Abtreibung und für die Todesstrafe, gegen ­Washington und für die halbautomatische AR-15. Also wie ein Islamist, einfach netter und ohne Islam.

Florida und New York bekommen je 29 Wahlmenschen. Maria Exemplo nimmt den Bus zum Wahllokal und wählt Esel, weil dann alles besser wird. Archie Type nimmt schlecht gelaunt den Pick-up und wählt Elefanten, mit denen alles besser würde, wenn nicht die ­fuckin’ democrats von New York City alle andern Counties seines Bundesstaates wieder überstimmen würden.

Archie Type behält recht. Die Hexe kriegt 1,5 Millionen mehr Stimmen als Trump und erhält damit alle 29 Wahlmenschen von New York, the winner takes it all. Unten in Florida bei Maria Exemplo jedoch gewinnt der Elefant – mit nur 120?000 Stimmen Vorsprung. Für gleich viele Wahlmenschen hat er also knapp 1,4 Millionen Wählerstimmen weniger verbraten. Ähnlich geht es landesweit: Sie gewinnt hoch, aber selten, er gewinnt knapp, aber oft.

Der neue Landesvater ist ein Sympathieträger und Brückenbauer, und nicht nur seine Partei hat ihre helle Freude an ihm. Wie jeder frisch Gewählte ist auch er sehr, sehr fest Präsident aller Amerikaner. Er gibt der Nation Sicherheit. Die Sicherheit, dass im Weissen Haus keine Frau regiert, die Männern nach den ­Eiern grabscht. Für die Sache der Frau wäre so etwas verheerend, und die ­Sache der Frau ist dem Oberbefehls­haber wichtig. Er fördert Frauen, manche heiratet er sogar, er weiss, wie man Dinge anpackt.

Kein Zweifel, das Land liegt dem 70-jährigen Hoffnungsträger zu Füssen. Alle wollen in sein Team. Er kann ­frische unbekannte Gesichter auswählen, unverbrauchte junge Mitarbeitende, deren Identifikation mit ihrem Idol so weit geht, dass sie sogar mit ihm verwandt sind. Die neue Aufbruchstimmung schafft Milliarden neuer Jobs im ­Mauerbausektor. Innige aussenpolitische Freundschaften entstehen, Trump und Putin geniessen regelmässig Small Talk im Locker Room und hin und ­wieder ­eine gemeinsame Partie russisches ­Roulette.

Am 19. Dezember 2016 treffen sich die Wahlmenschen in ihren 51 Hauptstädten zum Electoral College, um Herrn Trump zu wählen. Eigentlich wechseln Wahlmenschen oft nur selten die Seite, meist sogar nie. Sie haben ja ihrer Partei Treue gelobt, in 26 Staaten sind sie auch gesetzlich dazu verpflichtet und in vier Staaten gäbe es für Abtrünnige sogar kleine Geldbussen. Aber juristisch hieb- und stichfest ist die Verpflichtung nicht, und für ungültig erklärt werden treulose Stimmen nur in drei Staaten.

Darum wird Herr Trump auch die Stimme von vielen Wahlmenschen der Hexe erhalten, die von der Begeisterung für ihn erfasst wurden. Vor allem wenn die ganze Wahrheit über die Hexe ans Tageslicht kommt. Dass sie Bin Ladens uneheliche Schwester ist, unten in ­Arizona jede Nacht tausend Vergewaltiger über den Stahlzaun zieht und mit Voodoo-Mails Wirbelstürme ­bestellt.

Am 3. Januar 2017 öffnet der Kongress in Washington 51 versiegelte Couverts und zählt Stimmen. Und der feierlichen Einsetzung am 20. Januar 2017 folgen viele, viele grossartige Jahre ­ohne Skandale, Kellerleichen oder Eierfotos, aber mit revolutionären Lösungen, auf welche Dutzende Vorgänger nicht gekommen sind.

Die Hexe aber wird ihre Erdrutsch­niederlage mit dem Stimmenvorsprung niemals akzeptieren. Sie wird die ­demokratischen Esel weiterhin verhexen, aus dem Hintergrund, bösartiger denn je, und sollte im Weissen Haus ­jemals ­etwas schiefgehen, dann wird Herr Trump mit der Wahrheit nicht ­hinter dem Berg halten, wie es seine Art ist, und ganz ehrlich sagen, wer ­dafür verantwortlich ist. Schliesslich ist er in ­Politik genauso gut wie in ­Frauen.

Aktion

Verpassen Sie kein «Cigar»

Wenn Sie das neuste «Cigar» jeweils prompt in Ihrem Briefkasten haben möchten und keine Ausgabe verpassen wollen, gibt's einen einfachen Trick - abonnieren Sie. Schon für 43 Franken beziehungsweise 52 Euro senden wir Ihnen das Lifestyle-Magazin ein Jahr lang ins Haus.

Abonnieren

Werben im «Cigar»

Ein Zielpublikum für Sie

«Man sollte immer erst eine Cigarre rauchen, ehe man die Welt umdreht», erklärte der deutsche Reichskanzler Otto Graf von Bismarck Werben Sie da, wo sich die Leute treffen, die an der Welt drehen.

Print Online