cigar | Im exklusiven Kreis
Aus Cigar 3/2019
Hotellerie

Im exklusiven Kreis

Das Fünf-Sterne-Hotel The Chedi in Andermatt bemüht sich gezielt um die Gunst der Zigarrenraucher. Und macht dabei alles richtig.

Text: Tobias Hüberli
Fotos: Jürg Waldmeier, z.V.g.

Erstbesuchern kommt die Orientierung im The Chedi schnell mal abhanden. Auch, weil sich das Fünf-Sterne-Hotel in Andermatt über mehrere Gebäude erstreckt, vor allem aber, weil Innenarchitekt Jean Michel Gathy eine elegante, weit verwinkelte Welt aus Holz, Beton und Glas geschaffen hat. Geschickt platzierte Trennelemente, kombiniert mit dem richtigen Licht, geben jedem Raum eine eigene Atmosphäre, die immer vertraut scheint und trotzdem anders ist. Oder zusammengefasst: Man weiss im The Chedi zwar rasch nicht mehr, wo man ist, fühlt sich aber dort, wo man gerade ist, gut aufgehoben.

Definitiv am richtigen Ort sind im The Chedi Genussmenschen jeglicher Couleur. Die asiatische Herkunft des Hotel-Konzepts ist dabei immer spürbar. So gibts etwa zur Begrüssung beim Einchecken eine kleine Schale Tee. Und in dem mit vier einsehbaren Atelierküchen ausgestatteten The Restaurant vollführt der mit 14 Gault-Millau-Punkten dotierte Küchenchef Armin Egli täglich den kulinarischen Spagat zwischen Europa und Fernost. Das Poulet vom Alpstein schickt der Luzerner zum Beispiel wahlweise als gebratene Brust mit Brunnenkresse und Morchelravioli oder aber als im Tandoor gebackenen Schenkel Murgh Tikka zum Gast.

Es gibt nur gerade eine Handvoll Europäer, die mit einer japanischen Küche einen Michelin-Stern halten. Dietmar Sawyere, Küchenchef im Restaurant The Japanese, ist einer von ihnen. Den grössten Teil seiner beeindruckenden Karriere verbrachte der Freiburger in Asien sowie in Australien. 2013 kehrte er in die Schweiz zurück, und seit 2015 zelebriert Sawyere im The Chedi eine moderne Kaiseki-Küche, die zwar an den europäischen Gaumen angepasst ist, aber den japanischen Aromen und Prinzipien treu bleibt. «In der japanischen Küche gehts um Balance, sie enthält weniger Komponenten als die europäische und ist ziemlich vereinfacht», erklärt Sawyere. Wie genial einfach das tatsächlich ist, zeigt der 56-Jährige zum Beispiel mit seinem Signature Dish: dem Black Cod mit Yuzu- Miso-Sauce.

Hält im The Japanese einen Michelin-Stern: Dietmar Sawyere
Das Sake-Angebot im Restaurant The Japanese ist schweizweit einzigartig.
Marie Gerber

Vergleichsweise klein, aber schweizweit einzigartig ist The Cigar Library des Hauses. Nur gerade zwölf Personen finden in der sorgfältig eingerichteten Bibliothek Platz, dafür schöpft Gastgeberin Marie Gerber bei den Zigarren aus dem Vollen. Über 300 verschiedene Longfiller aus den acht wichtigsten Pro- duktionsländern schlummern im begehbaren Humidor.

Auch erfahrene Connaisseurs dürften in der Bibliothek noch Unbekanntes entdecken, etwa die in der Schweiz schwer erhältliche Marke Padrón aus Nicaragua. «Ich empfehle gerne auch nichtkubanische Zigarren, weil da die Vielfalt in den letzten Jahren wirklich aussergewöhnlich interessant geworden ist», sagt die 26-jährige Gerber. Habanos machen denn auch nur einen Drittel des Angebots aus. Beispiellos für die Fünf-Sterne-Hotellerie ist die Preispolitik der Cigar Library: Die meisten Zigarren (ausgenommen sind Vintage- Formate sowie Raritäten wie etwa die Behike-Linie von Cohiba) werden zu Einzelhandelspreisen verkauft.

Als ausgebildete Barkeeperin ist Gerber im Übrigen auch die richtige Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, einer Zigarre die passende Begleitung zur Seite zu stellen. Leider sind sie noch immer viel zu selten, die kundigen (zigarrenrauchenden) Bartender, die einen Cocktail perfekt auf das Aromaprofil einer Zigarre abzustimmen wissen. Im The Chedi gibts diesbezüglich keine Probleme. Und wers klassischer mag, dem stehen ausgewählte Cognacs und Whiskys, ein preisgekrönter Weinkeller sowie die grösste Sake-Auswahl der Schweiz zur Verfügung.

Bleibt nur noch die Frage, was ein Hotel dazu antreibt, Zigarrenliebhabern den Speck derart durch den Mund zu ziehen. Es sei eine Grundsatzentscheidung gewesen, antwortet Vizedirektor Tim-Martin Weber: «Für uns war klar, wenn wir im The Chedi auf Zigarren setzen, dann machen wir es richtig.» Dazu gehöre insbesondere auch die Unabhängigkeit gegenüber einzelnen Produzenten, betont Weber: «Bei uns kriegt jede Marke genau gleich viel Platz im Humidor, egal, wie viel Geld dahintersteckt.» Ebenfalls nicht käuflich sind Tickets für die exklusive Eventreihe The Chedi Cigar Circle (siehe Box). In deren Rahmen feiert eine kleine Gruppe, begleitet von wunderbarem Essen, edlen Weinen und exklusiven Premiumzigarren, durch die Nacht. Viel mehr will Weber dazu gar nicht sagen, für den Moment.

The Chedi Cigar Circle ist eine exklusive Veranstaltungsreihe für Zigarrenaficionados. In kleiner Runde (zirka 15 Personen) geniessen die Teilnehmer im The Chedi edle Zigarren, alte Weine und luxuriöses Essen die ganze Nacht hindurch, als gäbe es kein Morgen. Über nähere Details hält sich das Management ziemlich zugeknöpft und verweist auf die gelebte Diskretion des Hauses. Sicher ist: Beim ersten Cigar-Circle-Event Ende Juli präsentierte Rodrigo Medina vom nicaraguanischen Zigarrenpionier Plasencia erstmals in Europa die neue Alma de Fuego, beim zweiten Event Mitte September reiste Juan Lopez, Masterblender von Ghurka, mit neuen Formaten im Gepäck nach Andermatt. Die Teilnehmer der Cigar-Circle-Events werden vom Hotelmanagement gezielt eingeladen. Impressio- nen finden sich auf Instagram unter #chedicc.

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