cigar | «Wir stehen für Eleganz»
Aus Cigar 2/2019
Honduras

«Wir stehen für Eleganz»

Im Frühsommer reiste die Zigarrenproduzentin Maya Selva durch die Schweiz. Bei einem Espresso fand sie die Zeit, uns ihre neue Zigarre zu erklären. Und noch ein paar andere Dinge.

Interview: Tobias Hüberli
Fotos: Njazi Nivokazi

Seit Mai ist Ihre Zigarrenlinie Flor de Selva Colección Aniversario No. 20 in der Schweiz erhältlich. Entstanden ist diese aber bereits vor vier Jahren. Sie sind spät dran.
Maya Selva: Jeder Markt hat seinen eigenen Rhythmus, den man respektieren muss. Wenn man zu früh mit einer Neuheit auftaucht, macht man eine Menge Lärm, kreiert aber kein echtes Wissen. Dieses Jahr sind wir zur Überzeugung gelangt, dass die Schweizer Aficionados unsere Linien Flor de Selva Classic, Cumpay und Villa Zamorano ausreichend kennen, um auch den Unterschied zur neuen Zigarre zu verstehen.

Der da wäre?
Die Flor de Selva Colección Aniversario No. 20 ist sanfter und runder als die Flor de Selva Classic. Weniger pfeffrig, dafür ein bisschen stärker und voller. Unsere Zigarren sind ja nicht bekannt für ihre Aggressivität oder ihren Punch. Dieses Spiel wollen wir nicht spielen. Wir stehen vielmehr für Eleganz und Ausgewogenheit, aber auch für eine gewisse Korpulenz und «longeur en bouche».

Apropos Länge: Sie sind nun seit fast einem Vierteljahrhundert im Business. Flor de Selva ist mittlerweile ein arrivierter Brand.
Die Zeit verging sehr schnell. Und es fühlt sich immer noch an wie ein Projekt. Klar, die Marke ist etabliert, aber ihr Geist ist es nicht. Allerdings spüren wir, gerade auch in der Schweiz, die Entwicklung, kein Newcomer, kein Baby mehr zu sein.

Erklären Sie.
Die Schweizer Aficionados haben eine Beziehung zu unseren Produkten aufgebaut. Das merke ich, wenn mir zum Beispiel jemand sagt, dass er eine Flor de Selva nur im Sommer und nur unter bestimmten Bedingungen raucht. So gibt er der Zigarre eine Identität. Und das erreichen Sie nicht in fünf Jahren. Daran erkenne ich, dass wir bereits 25 Jahre im Geschäft sind.

Wie hat sich das Zigarrenbusiness in dieser Zeit gewandelt?
Als ich meine erste Box Zigarren verkaufte, hatten die meisten Leute keine Ahnung davon, was es bedeutet, einen Longfiller zu rollen. Das hat sich grundlegend verändert, die jungen Konsumenten sind smart und wollen alles über ein Produkt erfahren. Sie sind reifer im Sinne dass sie über die Konsequenzen des eigenen Tuns Bescheid wissen wollen. Ich mag das. Ich glaube, dass wir in so einer Welt, in der es nicht nur darum geht, Geld zu haben, sondern auch darum, eine Philosophie und einen Standpunkt zu vertreten, wir tatsächlich eine Chance haben, hier und Teil des Spiels zu bleiben.

Ihr Firmensitz ist in Paris. Was halten Sie von der aktuellen politischen Situation in Frankreich?
Ich sehe, dass viele Leute wirtschaftliche Probleme haben. Nicht verstehen kann ich die Mentalität der Gelbwesten. Ich bin eine Entrepreneurin, ich kämpfe für das Geld, das ich letztlich brauche. Aber für mich ist Frankreich mit seinen Prinzipien der Gemeinschaft eine der besten Antworten, die man weltweit für das Zusammenleben gefunden hat. Kostenlose Ausbildung und eine gut organisierte Gesundheitsversorgung geben dem Menschen Würde. Ich hoffe sehr, dass die Politiker das nicht verderben, dass nicht alles monetarisiert wird.

Sie nennen Ihre Zigarrenlinie Villa Zamorano demokratisch, weil sie preiswert ist. Wie kamen Sie dazu?
Die Zigarre entwickelte ich primär für meinen Mann. Er rauchte immer eine Flor de Selva, wenn er mit dem Hund spazieren ging. Das regte mich auf. Ganz ehrlich, man braucht keine raffinierte Zigarre, um mit dem Hund Gassi zu gehen oder den Rasen zu mähen. So sagte ich ihm: Schau, ich mache dir eine Zigarre, aus gutem Tabak, aber etwas Einfaches. Villa Zamorano ist ein sehr direkter, rustikaler Longfiller, der gar nicht erst vorgibt, elegant zu sein.

Wie gehen Sie beim Blenden vor?
Ich vergleiche den Prozess immer mit Kochen. Die Villa Zamorano entspricht folgender Szene: Sie werfen am Sonntagabend alles, was Sie noch im Kühlschrank haben, in einen Topf und bereiten daraus ein einfaches, aber feines Pot au Feu zu. Bei der Villa Zamorano sind wir nicht heikel, sondern wählen Tabakballen aus und brauchen alles davon. Für Flor de Selva hingegen schauen wir uns jeden Ballen genau an und selektieren die Blätter einzeln. Manchmal nutzen wir nur gerade 30 Prozent des Ballens.

Bringen Sie Neuheiten an die Tabakfachmesse Intertabac in Dortmund?
Bei der Marke Villa Zamorano kommt ein 6 x 60-Format namens Soberano. Ansonsten verfolgen wir die Idee, anstelle von neuen Linien jeweils jedes Jahr eine Limited Edition rauszubringen. Es geht uns dabei auch darum, herauszufinden, was alles möglich ist mit dem Tabak, den wir haben.

Wo verkaufen sich Ihre Zigarren denn am besten?
Überraschenderweise im deutschen Teil von Europa sowie in Frankreich. Der Süden von Europa ist vielleicht weniger empfänglich für unsere Art Zigarren.

Wie würden Sie eigentlich die Schweizer Mentalität beschreiben?
Es ist eine spezielle Kombination von Offenheit und sehr guter Organisation. In meinem Empfinden gehen diese Dinge nicht zusammen. Weil bei sehr organisierten Leuten doch kein Platz für Überraschung und Zufall bleibt. Aber in der Schweiz hat man das. Die Leute sind zuverlässig, haben aber trotzdem etwas Leichtes. Und sie sind nicht oberflächlich. Man weiss, wovon man spricht, und die Worte sind echt.

Maya Selva muss man eigentlich nicht mehr vorstellen. 1995 verkaufte die in Honduras geborene Französin die erste Box ihrer Zigarrenmarke Flor de Selva. Produziert wird diese noch heute in der Manufaktur von Tabaklegende Nestor Plasencia in Danlí, Honduras. 1999 lancierte Selva mit der ausschliesslich aus nicaraguanischen Tabaken gefertigten Zigarre Cumpay einen zweiten Brand und 2002 folgte die preiswerte Zigarrenmarke Villa Zamorano. Insgesamt produziert Maya Selva rund drei Millionen Zigarren pro Jahr. Seit Mai ist in der Schweiz die Zigarrenlinie Flor de Selva Colección Aniversario No. 20 erhältlich (siehe auch Tasting auf Seite 78). Sämtliche Zigarren von Maya Selva werden von der Royal Cigar Company in Basel importiert.
www.cigarcompany.ch

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