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Ein Humidor für die Schweiz

Text: Tobias Hüberli – Fotos: z. V. g.
In Nyon haben sich Cristina Späni-Marguet und Axel Marguet einen florierenden Zigarrenhandel aufgebaut. Zeit, dass auch Aficionados ennet des Röstigrabens davon erfahren.
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Haben sich ein Zigarrenparadies aufgebaut: Cristina Späni-Marguet und Axel Marguet

In der Boutique von Lecigare.ch am Rand von Nyon stehen Aficionados bereits im Humidor, sobald sie durch die Türe getreten sind. Die mit kunstvollen Graffiti verzierten Räumlichkeiten sind auf ein zigarrenfreundliches Klima temperiert, was vor allem Brillenträger sofort realisieren. Auf von der Decke herabhängenden Etageren findet sich, fein säuberlich präsentiert, eine Vielfalt an Premiumzigarren aus allen relevanten Herkunftsländern.

Nun reisen Genussraucher aus Zürich, Basel oder Graubünden in der Regel nicht wöchentlich nach Nyon, müssen sie aber auch nicht. In den letzten knapp 20 Jahren hat sich Lecigare.ch zu einem respektierten Online-Händler für Premiumzigarren gemausert, allen voran in der Westschweiz, wobei das Unternehmen von Cristina Späni-Marguet und Axel Marguet unter dem Namen Diezigarre.ch auch die Deutschschweiz bedient. Über 1000 Positionen sind erhältlich, zum überwältigenden Teil stückweise.

Genf war vor mehr als einem Vierteljahrhundert der Ursprung des Schweizer Online-Zigarrenhandels. Als erster gründete wohl Thierry Farah (heute Mitbesitzer der Zigarrenmarke Chateau Diadem) in den Neunzigerjahren in Genf den ersten Online-Shop für Premium-Longfiller.

Cristina und Axel kamen etwas später auf den Geschmack. «Am Anfang standen ein Kontakt sowie die Lust, etwas Eigenes zu starten», sagt Cristina. Ein Freund von Axels Vater war nicht nur ein grosser Liebhaber kubanischer Zigarren, er besass auch sehr viele davon. «Ab 2004 kauften wir ihm Habanos ab und vertrieben sie auf Ricardo und Anibis weiter», erinnert sich Axel, der damals als Finanzanalyst tätig war.

Mood The Telegram Line By Lecigare 2 Portrait
Die Eigenmarken von Lecigare.ch haben sich zu einem festen Bestandteil des Sortiments entwickelt.
Die Eigenmarken von Lecigare.ch haben sich zu einem festen Bestandteil des Sortiments entwickelt.

In der Freizeit konzipierten die beiden ihre erste Webseite und starteten im August 2007 ihren Online-Handel. Der Anfang sei gemächlich gewesen. «Wir hatten beide noch unsere Jobs, pro Woche kam im Durchschnitt eine Bestellung rein», erinnert sich Cristina. Die Leute seien skeptisch gewesen, aber sie bestellten trotzdem. Das lag nicht zuletzt an den extrem kompetitiven Preisen von Lecigare.ch. «Wir hatten sehr tiefe Kosten und nahmen wenig Marge, schliesslich mussten wir damals noch nicht von diesem Geschäft leben», sagt Axel.

2010 gab Axel seinen Job bei der Bank auf und setzte vollumfänglich auf das eigene Geschäft. Cristina folgte 2017, wobei sie heute weiterhin Teilzeit in der Kommunikation des Genfer Kantonsspitals arbeitet. «Es ist nicht schlecht, dass einer von uns auch ausserhalb der Zigarrenbubble tätig ist, das erlaubt es mir, auch mal eine andere Sichtweise ins Unternehmen zu bringen», so Cristina.

Spätestens ab 2016 begannen die Dinge richtig zu laufen. Längst wurden die ersten Mitarbeiter eingestellt, um der Nachfrage Herr zu werden. Zudem entstanden in diesem Jahr die Eigenmarken Gecko, Telegram sowie Flamingo (siehe auch Tasting Seite 75), allesamt preiswerte Premium-Longfiller aus dominikanischen und nicaraguanischen Manufakturen. Für die Flamingo-Linie tüftelten Cristina und Axel eineinhalb Jahre lang am passenden Blend mit ausschliesslich nicaraguanischen Tabaken. «Da wir diese Zigarren direkt importieren und ohne Kisten verkaufen, können wir sie zu Preisen weit unter 10 Franken anbieten», so Axel. Der Erfolg gibt ihm recht. Die Eigenmarken haben sich zu einem festen Bestandteil des Sortiments entwickelt.

Heute finden zehn Personen bei Lecigare.ch ein Auskommen. Neben dem Online-Geschäft ist aber auch der internationale Zigarrenhandel ein wichtiger Pfeiler des Unternehmens. Da scheint der ehemalige Bankspezialist ganz in seinem Element. Auch wenn er zurzeit viel Zeit mit Excel-Tabellen verbringe und oft gar keine Gelegenheit mehr habe, abends noch eine Zigarre zu geniessen, so sei es doch die Leidenschaft fürs Produkt, die ihn und Cristina täglich antreibe, so Axel. «Es ist ein grosses Privileg, etwas zu verkaufen, das einem selbst gefällt.»

Allerdings sei gerade der Online-Handel mit Zigarren ein steter Kampf geworden, insbesondere mit der Gesetzgebung. «Man muss ständig antizipieren, kreativ und gleichzeitig reaktiv bleiben», sagt Cristina. «Mentale Gymnastik» nennt es Axel lakonisch. Nach den goldenen Jahren der Covid-19-Pandemie, als der Preis praktisch keine Rolle gespielt habe («Zum Glück hatten wir ausreichend Zigarren an Lager»), würden die Schweizer Konsumenten heute anders einkaufen. «Kubanische Zigarren werden aufgrund der drastischen Preiserhöhungen viel weniger nachgefragt, dafür steigt der Absatz bei Longfillern aus anderen Ländern stetig», so Cristina.

Nächstes Jahr feiert Lecigare.ch sein 20-Jahre-Jubiläum. Für die Zukunft gibt sich Cristina bescheiden. «Weiterhin erfolgreich zu sein und Freude daran zu haben, finde ich schon mal gut.» Sicher ist: Gemeinsam bringen die beiden alles mit, um im Zigarrengeschäft weiterhin bestehen zu können. Während Axel die Zahlen im Griff hat, Gewinn und Risiko genau abschätzt, ist Cristina eine Pragmatikerin, stark in der Kommunikation, im Umgang mit den Mitarbeitern und wie sie sagt: «Von Natur aus eine Optimistin.»

Zigarrenparadies am Genfersee

Seit bald 20 Jahren betreiben Cristina Späni-Marguet und Axel Marguet in der Westschweiz den Online-Zigarrenhandel Lecigare.ch. Das Sortiment umfasst über 1000 verschiedene Positionen, wobei mit Ausnahme einiger kubanischer Raritäten sämtliche Zigarren stückweise bestellt werden können. Kunden aus der Deutschschweiz bedienen Cristina und Axel über die Webseite Diezigarre.ch. Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch in der Boutique von Lecigare.ch am Ortsrand von Nyon. Aficionados können dort eine grosse Auswahl, darunter die preisgünstigen Eigenmarken des Unternehmens, persönlich entdecken.

diezigarre.ch