Big Smoke
Eine Hommage an den Genuss
Wenige kennen den asiatischen Zigarrenmarkt besser als Sie. Wie kamen Sie dazu?
Eric Piras: Studiert habe ich Elektrotechnik. Meine Eltern wollten, dass ich Ingenieur werde. Nach dem Studium arbeitete ich dann zuerst als Tauchlehrer auf den Bahamas, in der Karibik sowie in Mexiko. Ich realisierte aber schnell, dass damit nicht viel Geld zu verdienen ist.
Also suchten Sie etwas Seriöseres?
Mitte zwanzig entdeckte ich die Gastronomie. Ich startete in Paris als Kellner und arbeitete mich schnell hoch. 1986 eröffnete ich mein erstes Restaurant, wir hatten einen Michelin-Stern. Gleichzeitig gründete ich mit einem Architekten ein Unternehmen, das sich auf Umbauten und Renovationen von Hotels fokussierte. Ich war für die F&B-Konzepte zuständig. Das lief ziemlich gut. Ende der Achtzigerjahre verkaufte ich dann alles und spielte den Playboy, bis ich kein Geld mehr hatte. So kam ich dann erstmals nach Asien.
Erzählen Sie.
Ein Headhunter offerierte mir einen Job in Hongkong, ich sollte ein Hotel eröffnen. Asien kannte ich überhaupt nicht. Ich war neugierig, hatte aber, ehrlich gesagt, auch nicht wirklich eine Wahl. 1993 organisierte ich das Preopening des Hotels, kehrte aber nochmals zurück nach Paris, um für einen Freund das Konzept für eine Zigarrenbar zu schreiben und diese anschliessend zu eröffnen. Das Cubana Café feiert heuer das 30-Jahr-Jubiläum, so schlecht kann meine Arbeit also nicht gewesen sein.
Wer war für Ihre Karriere wegweisend?
1996 traf ich Sir David Tang, Gründer von Pacific Cigars, dem Importeur kubanischer Zigarren für Asien. Er fragte mich, ob ich für ihn die asiatischen Länder entwickeln wolle, ich sagte zu. Es war eine spannende Zeit, ich eröffnete zahlreiche Franchisen von La Casa del Habano und machte Havanna-Zigarren in ganz Asien bekannt. 1999 wechselte ich zu Altadis, anfangs in der gleichen Funktion. Später war ich als Vice President International Sales verantwortlich für alle Länder ausser Frankreich, Spanien sowie den USA. Abgesehen von Davidoff waren wir die ersten, die Zigarren aus der Dominikanischen Republik, Nicaragua und Honduras nach Asien gebracht haben. Dort kannte man vorher nur Havanna-Zigarren. 2015 machte ich mich mit der Firma Cigraal selbstständig.
Wie muss man sich den asiatischen Zigarrenmarkt vorstellen?Kulturell unterscheidet sich der Norden mit China vom Süden mit Ländern wie Thailand, Kambodscha oder Malaysia. Das Tor zu Asien ist aber Hongkong. Wird eine Zigarre dort lanciert, kreiert das in allen Ländern des Kontinents eine Nachfrage. Es gibt in Asien eine ganze Generation junger Aficionados, die offen sind für neue Zigarren. In den letzten Jahren haben wir viel Aufklärungsarbeit geleistet. In Kambodscha bilden wir zum Beispiel Studenten einer Hotelfachschule darin aus, Zigarren fachgerecht anzubieten. Gleichzeitig lernen sie alles über die Herstellung, die unterschiedlichen Terroirs sowie die Lagerung.
Wo stehen Sie mit Cigraal heute?
Vor zwölf Jahren begannen wir mit einigen wenigen, teilweise noch relativ unbekannten Marken. Doch die Hersteller vertrauten mir und heute sind wir sehr gut aufgestellt. Wir vertreiben Arturo Fuente, Ashton, Eiroa, Flor de Selva und Joya de Nicaragua sowie neuere Zugänge wie Casa 1910, Dunbarton und Matilde. Wir haben viel investiert, um die Marken bekannt zu machen. Und gerade während Covid, als die Kubaner nicht mehr liefern konnten, ist die Nachfrage nach Zigarren aus Nicaragua, Honduras oder der Dominikanischen Republik in Asien regelrecht explodiert.
Welche Rolle spielte dabei Ihre 2019 eröffnete Bertie Cigar Lounge in Hongkong?
Eine wichtige. Anfangs hatte ich schon meine Bedenken. 2019 kam es in Hongkong zu den Massendemonstrationen, dann folgte die Covid-19-Pandemie. Unser Glück war, dass wir nicht als Bar oder Restaurant, sondern als Tastingroom kategorisiert wurden. Während alle zusperren mussten, blieb die Bertie Lounge offen. Wir haben viele Events gemacht, von Blind Tastings über Masterclasses bis hin zum International Women’s Day. Das Interesse war gross. Gerade bei Erstkunden ist eine Top-Beratung zentral. Wir haben wirklich gut ausgebildetes Personal. Das hat unseren Marken sehr geholfen.
Was ist das Konzept der Lounge?
Unser Ziel war es, das Image der Zigarre zu demokratisieren und Marken aus der Dominikanischen Republik, Honduras und Nicaragua bekannter zu machen. Wir wollten auch weg von dieser Vorstellung, dass nur ältere Geschäftsherren teure Longfiller rauchen. In der Bertie Lounge bieten wir Zigarren von den besten Terroirs zu erschwinglichen Preisen an. Das Publikum ist sehr durchmischt. Jüngere Menschen nutzen die Lounge als Büro, Clubs treffen sich bei uns. Es ist ein guter Ort, um neue Kontakte zu knüpfen. Und wenn jemand doch eine Havanna-Zigarre für 300 Dollar kaufen möchte, geht das auch.
In der Bertie Lounge präsentierten Sie auch erstmals Ihre eigene Zigarre. Wie sind Sie dazu gekommen?
Noch als ich bei Altadis war, fragten mich viele Leute, ob ich nicht eine eigene Marke aufbauen wolle. Ich wusste aber, wie kompliziert das werden kann. Als wir die Bertie Lounge eröffneten, wagte ich trotzdem einen Test. Die Zigarre hatte damals weder einen Namen noch eine Banderole. Aber die Kunden waren neugierig, die Verkäufe steigerten sich stetig, also beschlossen ich und meine Frau Agnès, eine Marke daraus zu machen, die wir 2022 Confidenciaal nannten, weil sie unter den Kunden wie ein Geheimnis weitergegeben wurde.
Wie haben Sie die Zigarren von Confidenciaal entwickelt?
Zuerst sagte ich einem befreundeten Masterblender, was mir vorschwebte. Er machte einen ersten Batch, der aber nicht meinen Vorstellungen entsprach. Ich reiste dann nach Honduras. Wir haben drei Wochen lang jeden Tag Zigarren degustiert und abends eine Flasche Flor de Caña getrunken, bis wir den richtigen Blend gefunden hatten.
Worauf haben Sie geachtet?
Neben dem Blend liegt der Schlüssel zu einer guten Zigarre in der Fermentation der Tabake. Wir verwenden nur Tabake von hoher Qualität, die zudem mindestens zwei bis drei Jahre gereift sind. Unser Ziel war es, eine gute Zigarre zu einem guten Preis anzubieten. So demokratisieren wir das Rauchen von Zigarren ein Stück weit. Dazu gehört auch, dass die Zigarren nicht in Holzkisten, sondern in recycelbaren Boxen aus Papier und Karton verkauft werden. Die Aficionados sollen für eine gute Zigarre bezahlen, nicht für die Verpackung.
Mittlerweile weiss man, dass Confidenciaal in Honduras gefertigt wird, Manufaktur und Blend bleiben aber unbekannt. Weshalb die ganze Geheimniskrämerei?
Das gehört zur Geschichte der Marke. Zuerst war es nur eine nackte Zigarre, dann kamen ein Name und das Herkunftsland dazu. Vielleicht verraten wir irgendwann, aus welcher Manufaktur die Zigarren stammen. Der Blend bleibt aber geheim, «confidentiel», wie wir Franzosen sagen.
Welche Pläne haben Sie für Confidenciaal?
Die Zigarren sind mittlerweile in vielen Ländern in Asien, dem Nahen Osten, in Afrika und in Europa erhältlich, seit April auch in der Schweiz. Dieses Jahr öffnen wir zudem den US-amerikanischen Markt.
In Frankreich gibt’s Confidenciaal erstaunlicherweise noch nicht.
Stimmt. Ich werde das wie Napoleon machen: zuerst einkreisen und dann einmarschieren.
Der Aufbau und die Pflege einer eigenen Marke sind mit viel Arbeit verbunden. Woher holen Sie die Energie dafür?
Solange ich laufen kann und klar bin im Kopf, gehe ich voran. Ich habe immer gerne gearbeitet, es ist eine Passion. Schliesslich verkaufen wir Zigarren – sie stehen für Leidenschaft und Emotionen.

Die Bertie Cigar Lounge von Eric Piras liegt imHerzen von Hongkong, im 4. Stock des Duke Wellington House. Sie ist ganz im Stil eines klassischen englischen Gentlemen’s Clubeingerichtet. Auf rund 340 Quadratmetern bietet sie zwei Loungeräume, einen privaten VIP-Raum, eine Terrasse sowie einen begehbaren klimatisierten Humidor. Das Sortiment umfasst kubanische Klassiker, setzt aber einen besonderen Schwerpunkt auf Zigarren aus der Neuen Welt. Insgesamt stehen über 500 verschiedene Zigarren zur Auswahl. 2024 wurde das Lokal von den Lesern des Cigar Journal zur «Best Cigar Lounge Asia» gekürt. Seit zwei Jahren existiert in Phnom Penh eine zweite Bertie Cigar Lounge.

Die Zigarrenmarke Confidenciaal wurde 2022 vom Franzosen Eric Piras gegründet, zuerst als Hauszigarre seiner preisgekrönten Zigarrenlounge Bertie in Hongkong. Mittlerweile ist die in Honduras gefertigte Marke in zehn verschiedenen Formaten erhältlich. Erklärtes Ziel von Confidenciaal ist es, den Zigarrengenuss zu demokratisieren, sprich erschwinglich zu machen. Die hervorragend verarbeiteten Longfiller kosten denn auch nur zwischen 8 und 13 Franken. Distribuiert wird die Marke seit April von The Royal Cigar Company in Basel.