cigar | «Ich will siegen»
Aus Cigar 4/2020
Fratello

«Ich will siegen»

Die Zigarrenmarke Fratello gehört einem gebürtigen Dominikaner, wird vornehmlich in Nicaragua gerollt und hat einen italienischen Namen. Ähnlich bunt ist die Karriere von Inhaber Omar de Frias.

Interview: Tobias Hüberli
Foto: z. V. g. 

Sie sind für minutiöse Planungen bekannt. Wie lange dauerte die Entwicklung Ihrer Zigarrenmarke Fratello?
Omar de Frias: Ziemlich lange, für meine Standards. Ich lancierte die Marke 2013, hatte aber bereits seit 2011 daran gearbeitet. Es gab viele Herausforderungen. Und ich war damals noch verheiratet; die Möglichkeiten, geschäftliche Risiken einzugehen, waren limitiert. Oder anders gesagt: Ich musste meinen gut bezahlten Job bei der Nasa behalten und das Zigarrengeschäft nebenher aufbauen.

Vollzeitmanager bei der Nasa und gleichzeitig ein Zigarren-Start-up leiten: Geht das überhaupt?
Ich will ehrlich sein: Es war eine unglaublich harte Zeit. Von Montagmorgen bis Mittwochabend arbeitete ich mein 100-Prozent-Pensum bei der Nasa ab, den Rest der Woche war ich in irgendeinem US-Staat für meine Zigarren unterwegs. Und natürlich kriegt man letztlich beides nicht richtig hin. Während über drei Jahren schlief ich höchstes vier Stunden pro Nacht

2016 entschieden Sie sich dann doch ganz für das Zigarrenbusiness.
Stimmt. Aber zu diesem Zeitpunkt war es bereits ein kalkuliertes Risiko. Die Marke Fratello war inzwischen in 30 Staaten präsent, also relativ gut etabliert.

In der Dominikanischen Republik waren Sie eine Zeit lang Basketball-Profi. Profitieren Sie heute von dieser Erfahrung?
Wenn man Sport kompetitiv betreibt, hat das immer auch einen Einfluss auf den Charakter. Es braucht ein inneres Feuer, einen Willen, zu gewinnen. Ich habe es immer gehasst, wenn ich im Basketball verlor. Ich will siegen. Das war schon immer so. Und wenn ich mit meinen Zigarren in einen neuen Markt komme, will ich nicht einfach nur zuschauen, sondern gewinnen. Kurz: Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, damit meine Marke Erfolg hat, auch in der Schweiz.

Was mögen Sie an Ihren Zigarren?
Sie sind wie Kinder für mich. Alle sind speziell. Und jedes Format spielte seine Rolle in der Entwicklung des Unternehmens. Der erste Blend, den wir produzierten, die Fratello Classic, war ein bisschen so, wie wenn man eine neue Fussballliga gründet und mit Messi in der Mannschaft antreten kann. Es war der perfekte Einstand.

Wieso haben Ihre Zigarren einen italienischen Namen?
Fratello ist mein Spitzname vom College. Ich lernte damals Italienisch, und irgend- wie nannten mich irgendwann alle so.


Wie entstehen Ihre Zigarren?
Ich sehe mich nicht als Masterblender, dafür bin ich ein Meister im Degustieren. Ich teste enorm viele Zigarren, und natürlich treffe ich am Ende die Entscheidung, aber die Zusammenarbeit etwa mit dem Team von Joya de Nicaragua funktioniert extrem gut. Und ich stelle sicher, dass die Blends, die ich auswähle, nicht nur meinem Unternehmen, sondern in einem gewissen Sinne auch jenem von Joya de Nicaragua entsprechen. Wobei meine immer einen eigenen Twist haben.

Joya de Nicaragua setzt für ihre Zigarren hauptsächlich auf nicaraguanischen Tabak, Sie nicht.
Stimmt, wir blenden mit unterschiedlichen Tabaken, etwa aus Peru, den USA, Mexiko oder Kamerun. In der Fratello Bianco hat es Tabake aus fünf verschiedenen Ländern. Ich mag es, meinen Zigarren durch die unterschiedliche Herkunft der Tabake eigenständige Geschmacksprofile zu geben. Dabei überlassen wir nichts dem Zufall.

Das heisst?
Wir schauen einfach alles an, jedes Detail. Es beginnt immer mit dem Deckblatt, ich nenne es das Resümee einer Zigarre. Es ist das Erste, was man sieht. Es spielt eine Rolle, wie es daherkommt; ob es schön glatt ist, wie fein die Venen sind und so weiter. Wenn das Deckblatt klar ist, arbeiten wir uns langsam durch die unterschiedlichen Blätter des Blends, bis die Zigarre fertig ist.

2013 gründete der Dominikaner Omar de Frias (42) die Zigarrenmarke Fratello. Mittlerweile beträgt die Produktion 350 000 Zigarren pro Jahr. Gerollt werden die Longfiller in Nicaragua (in der Manufaktur von Joya de Nicaragua) sowie in der Dominikanischen Republik (in der Fabrik von La Aurora). Seit Anfang Oktober importiert das Ostschweizer Unternehmen Importadora Corazza GmbH vier Linien der Marke Fratello in die Schweiz und vertreibt sie über den Tabakfachhandel. Von jedem Blend sind derzeit zwei Formate erhältlich.
fratellocigars.comimportadoracorazza.ch

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