cigar | «Wir haben genug Zigarren»
Aus Cigar 1/2020
Kuba

«Wir haben genug Zigarren»

Seit 25 Jahren vertreibt die Intertabak AG kubanische Zigarren in der Schweiz. Neben Heinrich Villiger ist auch die Genfer Familie Lévy am kubanisch-helvetischen Joint-Venture beteiligt. Wir erreichten Louis-Charles Lévy (63) Anfang April per Telefon.

Text: Tobias Hüberli
Foto: z.V.g.

Wie schlägt sich die Intertabak bislang in der Corona-Krise?
Louis-Charles Lévy: Ich stehe im telefonischen Kontakt mit der Geschäftsstelle in Basel. Wir arbeiten strikt nach den Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit, mit einer leicht reduzierten Belegschaft, auch weil Zigarren momentan etwas weniger nachgefragt werden.

In Nicaragua, Honduras und der Dominikanischen Republik haben die Zigarrenfabriken geschlossen. Wie ist die Situation derzeit auf Kuba?
Im Moment, Stand 8. April, läuft die Produktion in Kuba unverändert. Zurzeit ist nicht das Coronavirus für die Produktionsprobleme verantwortlich, sondern die zwar gute, aber nicht genug gute Deckblatt-Ernte dieses Jahres sowie vor allem die schlechten Ernten aus den vorausgegangenen Jahren. Mittelfristig könnte es zu Lieferschwierigkeiten kommen, weil keine Flugzeuge mehr zwischen Kuba und Europa zirkulieren.

Hat Intertabak ausreichend Zigarren für diesen Fall?
Aufgrund der notorischen Lieferschwierigkeiten der Kubaner haben wir vor etwa drei Jahren begonnen, das Lager zu erhöhen. Wir sind also bereit. Nicht unbedingt bei den Spezialitäten, aber wir haben genug Zigarren für das ganze Jahr, auch wenn keine neuen Lieferungen in die Schweiz gelangen sollten.

Die Familie Lévy ist zu fast einem Viertel an Intertabak beteiligt. Wie kamen Sie dazu?
Das ist sehr einfach. Meine Familie unterhält Kontakte zu Kuba seit den Sechzigerjahren. Mein Vater war einer von zirka zehn Geschäftsmännern, die als Agenten für kubanische Zigarren agierten. Bis 1994 organisierten wir den Verkauf von Habanos im ganzen mediterranen Raum, in Afrika sowie im Nahen Osten. 1995, als die Kubaner uns zusammen mit Heinrich Villiger ein Joint-Venture für die Schweiz und Liechtenstein anboten, akzeptierten wir. Ich arbeitete damals bereits im Unternehmen und erlebte die Gründung von Intertabak hautnah mit. Mit Heinrich Villiger verbindet mich eine enge Freundschaft.

Wie würden Sie die Entwicklung der Firma beschreiben?
Diese hat sich vor allem enorm professionalisiert. Anfangs war Intertabak ein kleines KMU, mit einem grossen Potenzial zwar, aber es fehlte etwas. Als dann Altadis und später Imperial bei Habanos einstiegen, veränderte sich auch vieles für uns. Plötzlich gab es eine langfristig angelegte Vision. Das Unternehmen entwickelte sich unter der Führung von Urs Tanner sehr gut. Die erfolgreichste Zeit seit über 20 Jahren waren jedoch die letzten zwei Jahre unter Martin Weber. Und das, obwohl wir nicht über so viele Premiumzigarren verfügten, wie wir hätten verkaufen können.

Letztes Jahr kündigte Imperial an, ihr Zigarrengeschäft und damit auch den Anteil an Habanos SA verkaufen zu wollen. Allerdings ist immer noch kein Käufer in Sicht. Wissen Sie da mehr?
Nein, Imperial behandelt dieses Thema sehr diskret. Aber weder für die Familie Lévy noch für Heinrich Villiger sind diese Verkaufsabsichten wichtig. Wir haben in den letzten 25 Jahren einige Besitzerwechsel erlebt. Das Geschäft hat sich dabei nie wirklich grundlegend verändert.

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